H A L T E R N

 

 

Wappenbild Halfter mit Schnalle

 

 

Post und Geschichte

 

An der Lippe nördlichstem Flußbogenpunkt liegt die Stadt Haltern.  Um die Zeitenwende erdröhnte hier der Boden unter den Marschtritten römischer Legionäre.  Die römischen Anlagen bei Haltern waren der größte und bedeutendste römische Stützpunkt östlich des Rheins.

 

Infolge Einführung der Städteordnung wurden 1837 Stadt und Kirchspiel Haltern getrennt. Zum Kirchspiel gehörten die Bauerschaften:

Antrup, Bergbossendorf, Berghaltern, Granat, Hennewich, Holtwick, Lavesum, Lembraken, Leversum, Lochtrup, Lünsum, Ontrup, Overrath, Stevermür, Stockwiese, Strünckede, Sythen, Uphusen, Westrup.

 

1931 sind Teile des Kirchspiels (Berghaltern und das Stauseegebiet) wieder mit der Stadt vereinigt worden. 1818 hatte Haltern 1579 Einwohner - 1910 rund 4200. Das adelige „Haus Sythen“, daß dem Grafen Westerholt-Gysenberg gehörte, ist leider abgerissen.

  

Haltern lag an einer sehr alten Straße mit lebhaften Reiseverkehr von Münster über Dülmen, Haltern und Dorsten nach Düsseldorf und Köln. Man reiste von „Post“ zu „Post“. Ganze vier Tage dauerte die Reise 1554 von Münster nach Köln mit Übernachtungen u.a. in Haltern. Seit 1646 ritten Reichpostpostillione auf der von der Taxispost betriebenen Strecke Münster-Dülmen-Haltern-Wesel-Brüssel mit Anschlüssen in Brüssel nach Frankreich, Spanien und England. Aus Lippstadt über Hamm, Lünen und Olfen kam 1663 der erste Postwagen des kurbrandenburgischen Postmeisters in Lippstadt, Hermann Ellinghaus. Für 1751 wird eine fürstbischöfliche Botenpost von Dülmen nach Haltern  im Münsterschem Almanach erwähnt.

 

 

Übergangszeit  

1802 - 1813

 

Für Gebietsverluste links des Rheins wurde Preußen  vom Reichsdeputationshauptschluss von 1803 durch „Entschädigungsprovinzen“ rechts des Rheins entschädigt. Darunter war der östliche Teil des Oberstiftes Münster mit der Landeshauptstadt Münster. Haltern selbst kam mit dem ehemaligen fürstbischöflichen Amt Dülmen zur sogenannten „Grafschaft Croy-Dülmen“, die der Herzog von Croy als Entschädigung für Verluste links des Rheins erhielt. Der Fürst nahm natürlich für sein neues Territorium das Postregal in Anspruch. Preußen war demnach gezwungen, mit ihm wegen Überlassung der auf Croyschem Hoheitsgebiet liegenden Teilstrecke der Wagenpost Münster-Düsseldorf nebst den beiden Postämtern in Dülmen und Haltern zu verhandeln.

  

Am 26. Oktober 1804 wurde in Münster eine Postkonvention unterzeichnet, in dem Durchlaucht „geruhten“, das Postwesen im Land Dülmen gegen eine Pachtsumme von 150 Reichstalern „preußisch courant“ jährlich auf 10 Jahre Preußen zu überlassen. Damit hatte sich der „Fürst“ eine neue Einnahmequelle erschlossen.

 

Als  „des Heiligen Römischen Reichs Fürst“ konnte der Herzog die in Dülmen und Haltern bestehenden Postanstalten der Thurn und Taxisschen Reichspost nicht zu seinen Gunsten aufheben, da der Fürst von Thurn und Taxis durch den Kaiser mit dem Reichspostregal belehnt worden war. Nach Gründung des Rheinbundes und dem daraus resultierenden Ende des Reiches im Jahre 1806 wurde der Herzog von Croy „depossidiert“ (enteignet) und das Land Dülmen dem Herzogtum Arenberg einverleibt, welches wiederum 1807 vom Großherzogtum Berg geschluckt wurde.

 

 

Brief von Haltern nach Paderborn

 

"franco" = bezahlt Vermerk - den 30 Sept: von Haltern/an das Domkapitel

 

Haxthausen ist der Name eines alten westfälischen Adelsgeschlechts.

Die Familie gehört zum Uradel im Fürstbistum Paderborn

 

 

G R O ß H E R Z O G T U M    B E R G 

 

Die großherzoglich bergische Post, die von dem erfahrenen französischen Postfachmann, Generalpostdirektor du Preuil, geleitet wurde, nahm auch das Postregal im Herzogtum Arenberg in Anspruch. Zum 1. Januar 1809 führte die bergische Post allgemein Briefstempel in ihrem Bereich ein. Die  Postdirektionen erhielten Stempel mit dem Namen ihres Ortes in Versalien (Großbuchstaben)  geliefert. Dieser Stempel diente hauptsächlich der leichteren Gebührenberechnung.  Postexpeditionen wie Haltern hatten den Namen des Einlieferungsortes handschriftlich auf den Briefen zu vermerken. Die nächstliegende Postdirektion brachte dann ihren Briefstempel an. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft in Europa übte die Thurn und Taxis Post noch einmal von 1813-1816 das Postregal in Haltern aus.

 

Der Fürst von Thurn und Taxis hatte von den Alliierten, die gemeinsam gegen Napoleon kämpften, die Zusicherung erhalten, dort wieder tätig zu werden, wo schon 1806 Thurn und Taxis vertreten war. Der Wiener Kongreß teilte das gesamte Münsterland schließlich Preußen zu. Mit Vertrag vom 4. Juni 1816 trat der Fürst von Thurn und Taxis die Postanstalten in den nun endgültig an Preußen gefallenen Gebieten ab.  Die Thurn und Taxisschen Postbeamten wurden von Preußen übernommen.

 

 

P R E U ß E N

 

Wichtige Änderungen brachte die preußische Post mit. Zuerst wurden die Briefstempelungen eingestellt. Nach Verhandlungen mit Frankreich war die preußische Post jedoch gezwungen, das Stempeln der Briefe wieder einzuführen. Das geschah durch eine Verfügung des preußischen Generalpostamts vom 23. Dezember 1816 vorerst nur bei nach dem Ausland bestimmten Briefen. Schon am 7. Februar 1817 führte man das Stempeln sämtlicher eingelieferter Briefe ein. Bedeutendere Postwärterämter wurden mit Briefstempel ausgerüstet. Andere Ämter, z.B. die Postexpeditionen, begnügten  sich  mit der Weiterführung der  Einzeiler der bergischen Post als sogenannte Postwärterstempel bis zur Einführung von Briefstempeln für sämtliche preußische Postanstalten im Jahre 1825.  Dieses geschah auf Grund der Circular-Verfügung Nr. 48 des Jahres 1824. Der erste preußische Briefstempel von 1817 war zweizeilig (siehe Dorsten), oben der Ortsname, in der zweiten Zeile der Tag in Zahlen und der Monat in Buchstaben. Der Briefstempel von 1825 war kleiner, ebenfalls zweizeilig, oben der Ortsname, in der zweiten Zeile Tag und Monat in Ziffern. Dieser wurde Haltern zugeteilt. Ihm folgte dann ein Kastenstempel um 1850.

 

 

  

Paketbegleitbrief von Haltern nach Nordkirchen an den gräflich von Plettenberg Mettingschen

Herrn Rentmeister Morsbach, austaxierte Herrschaftliche Dienstsache aus dem Jahre 1824.

Handschriftlicher Aufgabevermerk Haltern 30/11 aus der Übergangsphase von der ersten

zur zweiten preußischen Stempelform 1824/25 und Nierenstempel des Leitpostamtes Münster (defekte Type).

Absender war laut Siegel auf der Rückseite das Königliche Preußische Stadt- und Landgericht.

Dort ebenfalls der Taxvermerk 20.

 

 

Haltern

Preußen Nummernstempel "576"

 

Paketbegleitbrief an den Gräflich von Galenschen Rentmeister Herrn von Detten in Münster - frei -

Rückseitig Trockensiegel der "Kön. Kreis-Ger. (Gerichts) Commission zu Haltern". Datiert auf den 29.3.1851.

 

Preußische Freimarke König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861). 1 Sgr. Ausgabe vom 15. November 1850.

Entwertet mit einem Nummernstempel 576 für Haltern, beigesetzt ein  kleiner Kastenstempel Haltern (21mm).

Gedruckt in der Deckerschen Hofbuchdruckerei Berlin. Wasserzeichen Lorbeerkranz.

Portostufe u.a. für Briefe unter 1 Loth bis 10 Meilen/ca. 75 km.

 

 

Preußische Freimarke König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861).

3 Sgr. Ausgabe vom 15. November 1850. Gedruckt in der Deckerschen Hofbuchdruckerei Berlin.

Wasserzeichen Lorbeerkranz - Portostufe u.a. für Briefe bis 3 Loth bis 10 Meilen/ca. 75 km.

  

 

 

Haltern - Rheinberg

 

Kleiner Kastenstempel (21mm) vom 27 11  2-3 (1856) auf blau taxiertem Brief (Porto bezahlt)

nach Rheinberg im heutigen Kreis Wesel. Auf der Rückseite Ausgabestempel Rheinberg vom folgenden Tag.

 

 

 

Leseabschrift des Briefes:

 

 

Vogelsang, 27. November 1856

 

Lieber Gerhard!

 

Dein uns angekündigter Besuch wird mir sowie Hr. Envens sehr angenehm sein. Gut wird es sein, wenn Du den Zug benutzest, welcher um 10 Uhr 41 Minut. von Oberhausen fährt. Du muß dann Station Castrop aussteigen und werde Dich dort abholen, und bist dann gegen halb 2 Uhr schon hier. Mit dem späteren Zuge kannst Du nicht vor Nachts 11 Uhr hier sein. Von hier aus kannst du dann nach Dortmund machen. Da unsere Uhren sehr in Umstand sind, so wünschte Envens sehr, daß Th. Solm mitkömme, er könnte auch sonst vielleicht hier noch ein Geschäftchen machen, und willst ihm dies gefl. mitteilen. Sehr freute es mich, aus Deinem lieben Briefe zu vernehmen, daß Du noch wohl und munter bist. Ich hoffe von meiner Krankheit auch wieder in 8 bis 14 Tagen ganz hergestellt zu sein. Sehr angenehm wäre es mir, lieber Gerhard, wenn Du bald hierher kommen könntest, da ich vorhabe, sobald ich hergestellt, eine Reise nach Crefeld und Rheinberg zu machen. Ich erwarte also die baldige Nachricht Deiner Ankunft.

 

Hoffend Dich bald munter und recht wohl zu sehen grüßt und küßt herzlich Dich

Dein Reinhard

 

An Joseph Lotteken Derpmann und Solm bitte meinen besten Gruß und empfange Du auch die besten Grüße von Herrn und Frl. Envens.

  

Der Text wurde ohne Korrekturen übernommen.

 

 

 

Großer Kastenstempel ( 34mm) Haltern

 

 

 Paketbegleitbrief mit Klebezettel (Ortsvordruck) von Haltern nach Münster um 1862,

frankiert mit Freimarken  2x1 Sgr. Adlerausgabe aus 1861, entwertet mit

einem großen (34mm) Kastenstempel Haltern und beigesetztem Packkammerstempel Münster.

 

 

 

Von Alemann Königlicher Bau-Inspector

 

Absender war der Chaussee Aufseher Schunorth.

Von Alemann war u.a. auch für Brückenarbeiten zuständig.

 

Korrespondenz aus der Anfangszeit des Eisenbahnbaus im Kreis Recklinghausen.

 

Kastenstempel Recklinghausen um 1862 auf portofreier "Herrschaftlicher Wegebau Sache",

Rückseite Ausgabestempel Haltern, Bestellgang 2, vom gleichen Tag.

 

 

1850 wurde Haltern Postexpedition II und Posthalterei und gehörte zur OPD Münster. Mit Einführung der preußischen Briefmarken bekam Haltern den Vierring-Entwertungsstempel mit der Nummer  „576“  zugeteilt.  Während der Zeit des Norddeutschen Postbezirkes ab 1868 war Haltern ebenfalls Postexpedition II und Station für alles Postfuhrwerk. Zu  den Eisenbahnpostämtern zählte Haltern nach Eröffnung der Eisenbahnstrecke Wanne-Münster am 1. Januar 1870 und der Strecke Haltern-Wesel am 1. März 1874.

 

 

Norddeutscher Postbezirk

Briefmarken für den nördlichen Teil mit Talerwährung-

Entwertung mit dem weiterverwendeten preußischen Kastenstempel (34mm).

 

 

 

Oben Ganzsachenausschnitt Aufbrauchausgabe von preußischen Briefen mit Wertzeicheneindruck.

Diese Umschläge wurden mit eigens dafür hergestellten Marken des Norddeutschen Bundes

überklebt und aufgebraucht. Rechts Rückseite des überklebten preußischen Wertstempels.

Darunter ein Freimarken-Pärchen zu 2x1/4 Groschen, Ausgabe 1. Januar 1868.

 

 

Kastenstempel Haltern auf gezähnter Ein Groschen Marke

Ausgabe Januar 1869, Portostufe für Inlandsbriefe bis 1 Loth/15g.

Darunter 1 Groschen Dienstmarke für den nördlichen Bezirk mit Talerwährung.

Die Dienstmarken lösten die gewährten Portofreiheiten der Fürstenhäuser,

Behörden und anderer privilegierter Institutionen ab.

 

 

 

Preußischer Kastenstempel Haltern (groß 34mm), Weiterverwendung im Norddeutschen Postbezirk, auf NDP-Marken zu 1/2,

ein und zwei Groschen, Wertbrief an die Königliche Kreis Gerichts Deputation zu Recklinghausen

1869 mit fünffach gesiegelter Rückseite. Vermerk: Inliegend 120 Thaler und 3 Silbergroschen.

 

 

 

Kaiserreich

 

Haltern im Posthandbuch von 1878

 

Stadt: In hügeliger Gegend mit vorwiegend leichtem Sandboden. Die 2694 fast auschließlich katholischen Einwohner

treiben Landwirtschaft sowie Weberei und Schiffahrt in Nebenbeschäftigung.

Drei km von Haltern der als Wallfahrtsort viel besuchte Anna-Berg. Sitz einer Kreis-Gerichtskommission.

 

 

 

Markenentwertung im Kaiserreich

mit weiterverwendetem preußischen Kastenstempel .

 

Pärchen der 1/2 Groschen Freimarke Deutsches Kaiserreich "Kleiner Brustschild und Aachener Krone",

Ausgabe 1. Januar 1872, entwertet mit einem großen Kastenstempel (34mm) Haltern ohne Jahresangabe

mit Verzierung in Form einer auf einem Fuß stehender Sechstrahlrosette,

Portostufe 1 Silbergroschen für Fernbriefe bis 1 Zollot, Posttarif vom 1. Januar 1868.

 

 

2x1/4 Gr. (Groschen) gleich 1/2 Gr. z.B. für Correspondenzkarten ab 1. Juli 1872.

 

Postlot (Zollot), das Lot des Zollpfundes = 16,667 g.

                                                                                                            

 

 

Bahnpost ab Bahnhof Haltern

 

Handschriftlicher Vermerk in blau "Haltern" für die Aufgabe bei der Bahnpost.

Dreizeiliger Bahnpoststempel Oberhausen-Münster 5 3 I - (Tour/Hinfahrt)

auf Brustschildmarke 1/2 Gr. (Groschen) für Correspondenzkarten

im Inland gem. Tarif vom 1. Juli 1872.

 

Cosack & Co  Hamm

Die Firma Cosack & Co. war ein Puddel-, Walz- und Drahtwerk.

1873 wurde es von der Westfälischen Union AG übernommen.

In Puddelwerken wird Roheisen zu Stahl verarbeitet.

Absender war die Nagelschmiede Rumpf in Haltern.

 

Leseabschrift:

Mein Ergebenes von heute bestätigend bitte ich mir gefl. mitzutheilen, zu welchem

äußersten Preis Sie mir 1 Waggon Drahtstifte belassen können.

Hochachtungsvoll  H. Rumpf   E. Rumpf    Haltern, den 4/3/73

 

 

Postamt Haltern um 1900

 

 

Stempelbezeichnung nach Thalmann

mm Angaben beziehen sich auf die Breite des Stempels