Von "Grull" zum "Bad"

 

 

Der Name "Grull" ist ein alter Flurname im Gelände westlich des Altenheims an der Hochstraße. Die damalige Gemarkung war ein Waldgebiet. Bad wurde es erst mit der Erschließung der Solequelle. Der Name Grullbad hat sich für den Stadtteil bis heute erhalten.

 

1857 wurde bei Grubenarbeiten in der damaligen Gemeinde Bruch, heute Recklinghausen-Süd, eine salzhaltige Quelle angebohrt. Der Druck schoß das Wasser drei bis vier Meter in die Höhe. Die umliegende Bewohner nutzten das gesammelte Wasser als Badesee. Es bildete sich bald eine private Gesellschaft, die die Einfassung der Quelle und die Errichtung einer Badeanstalt betrieb. Der Gesellschaft gehörten denn auch so bekannte Namen, wie die Herren Stenkhoff, Landschütz, Rat Schultz, Josef Breuker und Klostermann/Herten an.

 

 

Litho Ansichtskarte Grullbad

 

Lithographie ist eine aufwendige Drucktechnik für relativ kleine Druckauflagen,

verwendet für Ansichtskarten ungefähr in der Zeit von 1890 bis 1910.

 

Einkreisstempel Bruch mit Gitterbogen oben und unten vom 18.5.97  1-2 N auf  5 Pfg. Reichspost

nach Herne, dort gleicher Poststempel als Ausgabestempel verwendet.

 

Eine umfangreiche Werbekarte für das Soolbad Grullbad zu Bruch i/Westfalen:

Hotel und Restaurant unter der Badeverwaltung con Director C. Driefer - Telephon No. 77

Grossartige Park- u. Gartenanlagen - Prachtvoll gelegen inmitten Herrlicher Waldungen

Warme u. kalte Bäder - Restauration - Gartenwirtschaft- Concerte

Gelegenheit zu Kahnpartien - Bäder von großer Heilkraft - Pension  Civile Preise

Bequem zu erreichen von Herne und Recklinghausen in 45 Minuten,

von Station Bruch 20 Minuten

 

 

Man fand heraus, daß das Wasser heilende Wirkung besaß und geeignet war für Trinkkuren. 1860 wurde ein Kur- und Badehaus  in Fachwerkbau errichtet. Seit dieser Zeit lief der Badebetrieb mit sechs Zellen und hölzernen Wannen auf Hochtouren. Solbäder konnten beliebig warm genommen werden. Umgeben von Waldgebiet, Park- und Grünanlagen vergnügten sich die Gäste im Kurhaus bei Tanz,  Musik oder beschaulichen Kahnfahrten. Die Badeverwaltung richtet eine Fahrverbindung zum Recklinghäuser Marktplatz ein. Zweimal täglich verkehrten die Badewagen zwischen dem Gasthaus Albers am Markt und Grullbad. Der Fahrpreis hin und zurück betrug 25 Pfennig.  Den Badewagen lenkte Max Krumme vom Surmannshof in Bruch.

 

 

 

Litho Ansichtskarten um 1898 mit den alten Bauten und rechts um 1904

mit dem Neubau für das abgebrannte Gebäude

 

 

Um 1868 versiegte die Quelle. Man führte das auf Bohrungen des Bergbaus zurück. Die Badegesellschaft bohrte in die Tiefe und erschloß die Sole neu durch Pumpen. Diese waren aber nicht sehr ergiebig. Damit konnte nur wenige hundert Liter pro Tag gefördert werden. Mitte der 80er Jahre wurde der Badebetrieb eingestellt. Nach einem Brand am 17. November 1902 beschloß man, das Bad endgültig zu schließen. Anstelle des abgebrannten Kurhauses wurde 1903 ein neues Wirtschaftsgebäude errichtet. 1919 erwarb die Stadt Recklinghausen Haus und Gelände. Zunächst dienten Haus und Grundstück als Kaserne der Schutzpolizei. Während der Ruhrbesetzung beherbergte es ein Bataillon französischer Soldaten. 1930 wurde das Haus zum Altenheim umgebaut und von Schwestern der Genossenschaft von der Göttlichen Vorsehung, die vorher im Vinzenzheim dienten, betreut. Äußerlich präsentiert sich das Haus heute noch nahezu unverändert.

 

 

Postamt Grullbad

Postamt S 8 Hochstrasse 56 Grullbad,

ehemalige Poststelle 11.

 

Ein nicht alltäglicher Einkreisstempel Recklinghausen S 8 vom 30.12.27 5-6 N

auf Grußkarte nach Langenselbold b. Hanau

 

 

Unrühmlich in Erinnerung bleibt das Heim während der Nazi-Herrschaft als Zwischenaufenthalt von drei jüdischen Damen aus Recklinghausen. Diese wurden am 3. März 1942 im Haus untergebracht. Bereits am 27. Juli 1942 deportierten die Nazis Frau Eva Pander, 88 Jahre, Frau Elfriede Sternberg, 88 Jahre und deren Tochter, 60 Jahre, nach Theresienstadt. Frau Pander verstarb ebendort, Sternbergs wurden wohl in Auschwitz ermordet.

 

 

 

Quellen

 

Geschichte der Stadt Recklinghausen Dr. Alfred Dorider

Von Bruch zur Südstadt Dr. Norbert Schüpp

Recklinghausen Gestern und heute Wartberg Verlag

RZ Freitag 23.1.1998 Onkel Max

Eigenbelege/Leseabschriften Slg. Mainczyk

Postalische Heimatgeschichte Recklinghausen

 

Zu Grullbad siehe auch:

http://www.porto-club.de/Coppenrath-Walkmuehle.htm