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Landeshuter Leinen- und Gebildweberei

 F. V.  G R Ü N F E L D

 Berlin – Köln – Landeshut in Schlesien

 

 

  

  

Reichspostkarte vom 10.1.01 mit Germaniawertstempel und privaten Werbezudrucken, u.a. F.V. Grünfeld.

Herausgeber: "Postkarten Annoncen Annahme C. Venettisch, Unter den Linden 53".

Daneben Werbung für die Häuser Leipziger- und Mauerstraße.

 

Ansichtskarte der Fabrik in Schlesien um 1905

 

Die „Grünfeld-Ecke“ war nicht nur den Berlinern ein Begriff, der Name „Grünfeld“ war weit über Deutschland hinaus bekannt und stand für „Landeshuter Leinen- und Gebildweberei F.V. (Falk Valentin) Grünfeld", einem Textil- und Wäschehaus mit eigener Fabrikation in Landeshut in Schlesien, dem Hauptgeschäft in der Leipziger Straße, einem Zweiggeschäft in der Hohen Straße in Köln  und der Mauer Straße in Berlin. 1926 wurde das  Geschäft an der belebten Kreuzung Kurfürstendamm/Ecke Joachimsthaler Straße eröffnet.  Dazu ein riesiges Sortiment über mehrere Etagen, elegant und modern eingerichtet. Regelmäßiger Kunde: Joseph Goebbels nebst Frau Gemahlin und Kindern. Doch das nutzte den Firmeninhabern nicht viel. 1938 ist die Schonzeit auch für die „Renommierjuden“ Grünfeld abgelaufen.

 

 

 

Firmenwerbekarte F.V. Grünfeld aus dem Jahr 1906, aufgegeben beim Postamt Schöneberg

bei Berlin 1 am 22.9.1911 als Ortspostkarte nach NW Bredowstraße.

 

Schon 1933 schaßte man Heinrich Grünfeld aus der Vize-Präsidentschaft der Berliner Industrie- und Handelskammer. Er hob 1919 die „Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels“ aus der Taufe. Dieser Verband führte dann 1936 einen Boykottfeldzug gegen die jüdischen Warenhäuser an. In diesem Jahr streicht auch der piekfeine „Rotary Klub“ den Grünfeld´schen Seniorchef aus seiner Liste, um die „Mitgliedschaft in Einklang mit den Nürnberger Bestimmungen zu bringen“. Auch sein Sohn, Dr. Fritz Vinzenz Grünfeld, muß sich Vernehmungen durch die Berliner Gestapo-Leitstelle unterziehen.

 

    

Privat Lochungen der Firma Grünfeld "FV/G" auf Freimarken der Serie

"Köpfe berühmter Deutscher 1926/27", hier Immanuel Kant, Philosoph (1724-1804)

und Reichspräsident Hindenburg auf Firmenkarte aus 1936.

 

Lochungen, englisch perfin, sind private Lochungen zum Schutz der Portokasse.

Die Durchlochungsmaschine wurde 1867 von dem Engländer Joseph Sloper erfunden,

patentiert und am 13. März 1868 postamtlich zugelassen. Es folgte 1874

die Schweiz, Frankreich 1876 und Deutschland 1877. Private Lochungen sind nicht zu verwechseln

mit amtlichen Lochungen, z.B. die Eisenbahnmarken von Bayern. Amtliche Lochungen machen die Marken,

im Gegensatz zu privaten Lochungen, nicht wertlos.

 

 

Das Grünfeldhaus am Kurfürstendamm

Nachtaufnahme 1926

 

Absenderzudruck Rückseite

 

Auf der Leipziger Straße wird ein Flugblatt verteilt mit dem Bild von Max Grünfeld und dem Hinweis, die Adressen der Grünfeld Kunden wären im  Stürmer Nr. 10 abgedruckt - mit Namen, Wohnort, Straße und Hausnummer. „Annahme verweigert“, „Zurück an den Juden“ – in dieser Art kommen Briefe und Kataloge per Post zurück. Die Kunden wagen nicht mehr, bei Grünfelds zu bestellen oder einzukaufen. An allen Fronten, innerhalb und außerhalb des Hauses, wird die Firma Grünfeld nun demontiert.

 

Im Zuge der „Arisierung“ übernimmt ein Walther Kühl die Firma Grünfeld. Gezahlt wird wie üblich nur ein Spottpreis. Aber selbst von diesem Geld bleibt den drei Ex-Inhabern nichts. Es reicht gerade für die Schiffskabinen nach Palästina. Im Endeffekt summieren sich alle Abgaben „zu totaler Vermögensbeschlagnahme“. Den Grünfelds gelingt es, sich in Tel Aviv eine neue Existenz aufzubauen.

 

 

Das Resthaus nach dem 2. Weltkrieg - links vor der Neubebauung,

rechts aus Richtung ehemals Kranzler.

 

 

Der Name F.V. Grünfeld bleibt in Deutschland nach dem Krieg noch eine Weile erhalten. Die Fa. Max Kühl firmiert zunächst unter „Landeshuter Leinen- und Gebildweberei F.V. Grünfeld, Inhaber Max Kühl“ und dann für einige Jahre unter „Max Kühl - vormals F.V. Grünfeld“. In einem Pressebericht anläßlich des hundertjährigen Bestehens der Fa. Max Kühl stellt dieser die Geschichte der Firma Grünfeld auf den Kopf. Zu all den Fragen leugnete der Sohn Günther Kühl und Mitinhaber die Arisierung. Davon könne gar nicht die Rede sein. Sein Vater habe die Grünfeld-Firma nicht aus eigenen Willen gekauft, sondern um den Grünfelds einen Gefallen zu erweisen. Die Recherchen des Autors Johannes Ludwig „Boykott/Enteignung/Mord“ Serie Pieper 1992 ergeben da ein ganz anderes Bild. Die Auschwitz-Lüge ist Straftatbestand. Alle anderen Unwahrheiten analog zu diesem Thema werden in dieser Republik aber eher noch durch langlebigen Fortbestand dieser Arisiererfirmen belohnt. Von den ehemals jüdischen Gründern spricht dagegen niemand mehr.

 

 

An gleicher Stelle ein Neubau.

Foto:  Privat 1983

 

Absenderfreistempel der Arisierungsfirma

 

Landeshuter Leinen & Gebildweberei lebt unter dem Namen Max Kühl weiter.

Standort ist die Rheinstraße 52 in 12161 Berlin-Friedenau gemäß einem Eintrag in einem Firmensuchprogramm.
Quelle:
http://www.firmendb.de/firmen/6083875.php

 

 

 

Quellen: 

Johannes Ludwig „Boykott/Enteignung/Mord“ Serie Pieper 1992                  

Grünfeld, Fritz V.: Heimgesucht – heimgefunden, Berlin 1979

Eigenrecherchen

Bilder Eigenmaterial