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Josef Garbáty

 

 

 

 

Garbáty war im Kaiserreich und während der Weimarer Zeit eine der großen deutschen Zigarettenmarken. Der Firmengründer Josef  Garbáty stammt aus Lida in Rußland. Er wurde dort am 27. Juni 1851 geboren. Der Name Garbáty kommt aus dem Polnischen und bedeutet "Der Bucklige". Seine Familie wanderte nach Berlin aus. Dort stellte Josef  Garbáty zunächst mit seiner Frau Rahel Zigarren und Tabakwaren in Heimarbeit her. 1881 gründete Garbáty sein Zigarettenunternehmen und verkaufte die Erfolgsmarke "Königin von Saba". Im Laufe der Zeit entstand auf dem Areal an der Schönhauser/Hadlichstraße ein großer Fabrikkomplex nach den Plänen des Architekten Paul Überholz. 

 

 

 

Links Olympiapostkarte 1936 mit dem Blick zum Haupteingang -

rechts Ansicht aus ähnlicher Position 2008.

Foto: K.H. Mainczyk 2008

 

Bereits bei der Anlage der Firmengebäude vorgesehen waren umfangreiche Sozialräume, wie Betriebskantine, Pausenräume, Bäder, eine Betriebswäscherei und eine Betriebsbibliothek. Die Arbeiter bei Garbáty hatten außerdem eine Arbeitslosenfürsorge, einen Werkchor und einen Betriebssportclub. Im Jahre 1918, neun Jahre vor Einführung der staatlichen Arbeitslosenversicherung, waren die 1000 Angestellten des Unternehmens bereits arbeitslosenversichert. Ab 1908 wurden Frühstück und Mittag in der Kantine angeboten. Für Leistungen aus der Betriebskantine wurde mit Garbátys (Kantinengeld) bezahlt.

 

Anfang der 1930er Jahre verschärfte sich der Konkurrenzkampf in der Tabakindustrie. 50% der Firma wurde vom Reemtsma-Konzern übernommen. Moritz Garbáty war nunmehr alleiniger Leiter der Fabrik bis 1938. Mit  Hitlers Machtergreifung begann eine schwere Zeit für die Familie Garbáty. Im Jahre 1935 wurde die GmbH in eine KG mit dem Namen Zigarettenfabrik Garbáty KG umgewandelt, die dann 1938 zwangsverkauft wurde. Dadurch verlor die Familie Garbáty ihren gesamten Berliner Grundbesitz von etwa 45.000 m² Fläche.

 

 

Noch zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin

verschickte die Firma Garbáty Ansichtskarten mit Grußwort

und Sonderstempel an Ihre Kunden und Geschäftspartner.

 

 

Die jüdische Familie Garbáty emigrierte 1939 in die USA,  nachdem im Zuge der "Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben" der gesamte Garbáty-Besitz an die aus Köln stammende Jakob Körfer Gruppe zwangsverkauft wurde. Josef Garbáty blieb in Pankow und verstarb im Jahre 1939 zwei Tage nach seinem Geburtstag mit 88 Jahren. Heute lebt der Enkel des Firmengründers, der Philologie-Professor Dr. Thomas Garbáty in den Vereinigten Staaten.

 

 

 

Garbáty Ost und West.

Die Firma in Westberlin war in der Cuvrystraße 36

nahe dem Schlesischen Tor angesiedelt.

 

 

Die Fabrikgebäude wurden nach dem 2. WK vielfältig genutzt und ist bis zum heutige Tag zu einer Ruine verkommen. Der Bahnhofsvorplatz in Pankow wurde in Garbáty - Platz umbenannt. Ein Schriftzug, wie er auf dem Dach des Fabrikgebäudes einstmals vorhanden war, ziert den Platz und erinnert an die Zigarettenfabrik von Josef  Garbáty.

 

 

 

Garbáty als Mäzen

 

Direkt neben der Zigarettenfabrik von Garbáty befand sich ein "Jüdisches Waisenhaus" in der Berliner Straße 120/121. Dieses wurde von Garbáty großzügig unterstützt bis es von den Nazis 1943 zwangsgeräumt und anschließend als Pankower Außenstelle des  Reichssicherheitshauptamtes genutzt wurde.

 

Nach Kriegsende nutzte der Berliner Magistrat, später der Deutsche Sportbund das Haus. Die polnische Botschaft zog 1949 ein, ab den 70er-Jahren die kubanische Botschaft. Nach der Wende stand das Haus zehn Jahre lang leer und verfiel. 1999 kaufte die Cajewitz-Stiftung das mittlerweile denkmalgeschützte Gebäude vom Staat Israel.

 

 

 

 

Erbaut wurde das Waisenhaus Pankow von Alexander Beer

Architekt und Baumeister, geb.  10. 09. 1873   gest.  08. 05. 1944-

Foto: K.H. Mainczyk

 

 

 

 

Quellen

 

Berliner Zeitung

Fotos Karl Heinz Mainczyk 2008

Bebilderung Eigenmaterial