Harry Fuld

 

1879 - 1932

 

 

 

Absenderfreistempel Frankotyp C

der Firma Anker/Bafra

 

 

 

Der am 3. Februar 1879 in Frankfurt am Main geborene Harry Fuld war der einzige Sohn eines Kunst- und Antiquitätenhändlers und sollte in die Firma eintreten. Nach einer Banklehre und Volontariaten in London, Paris und Brüssel mußte er aus firmentechnischen Gründen auf eigenen Füßen stehen und gründete 1899 den Fuld Konzern für Telephonanlagen. Daneben beschäftigte er sich mit einer  Methode, mit der man Lebensmittel aller Art in Gläsern und Blechdosen konservieren konnte, die später als "Einwecken" Geschichte machte.

 

Fulds schnell expandierender Betrieb hatte sich 1928 zu einem Schwachstromkonzern mit über 100 Gesellschaften und einem ausgedehnten Filialnetz entwickelt und war um 1930 einer der führenden Konzerne in der europäischen Schwachstrom-Industrie. Dieser aus dem Nichts aufgebaute Telefonbau- und Vermietungskonzern war so leistungsstark, daß er Konkurrenten wie Siemens nicht fürchten brauchte. Dennoch kam der ehemals jüdische Betrieb nach 1933 eben durch den Siemens Konzern in arge Schwierigkeiten. Die Anfeindungen von Siemens zielten darauf ab, daß der Fuld-Konzern nicht arisch sei. Damals ein probates Mittel, um Konkurrenten auszuschalten. Doch der kongeniale Partner von Harry Fuld, Carl Lehner, hatte bereits 1933 die Weichen gestellt, um die Anfeindungen von Siemens abzublocken. Aus "H. Fuld & Co" wurde "Telefonbau und Normalzeit" (T & N). Dennoch mußte nach jahrelanger Bedrängnis letztlich eine Fusion mit Thyssen eingegangen werden. Harry Fuld starb bereits am 26. Januar 1932 in Zürich während eine Geschäftsreise und blieb von diesen Geschehnissen der NS-Zeit verschont.

 

 

 

Absenderfreistempel von Telefonbau und Normalzeit 1952

 

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Harry Fuld war auch Sammler moderner Kunst und hatte einen umfangreichen Bestand aufgebaut. Während sein Unternehmen bereits 1933 "arisiert" wurde, beschlagnahmten die deutschen Behörden 1941 den eingelagerten Besitz von Fuld Erben. Darunter war auch das Bild "Le Mur Rose" von Henri Matisse, das der SS-Mann Kurt Gerstein in seinen Besitz brachte. Erst 2008 konnte das Bild an die Fuld Erben zurückgegeben werden.

 

Nach dem Zusammenbruch 1945 werden die Kapital- und Beteiligungsverhältnisse neu geordnet. Der Fuld-Nachlaß wird wieder am Unternehmen beteiligt. Thyssen verbleibt im Unternehmen. Die Firma änderte den Namen später in Telefonbau und Normalzeit Lehner & Co und heißt heute Telenorma. Sie gehört immer noch zu den marktführenden Unternehmen - dank Harry Fuld. 

 

 

 

Quellen

Johannes Ludwig: Boykott - Enteignung - Mord, Serie Piper 1992

Bebilderung Eigenmaterial