Julius Fromm

 

1883 - 1945

 

 

 

 

Francotyp-Absenderfreistempel "Fromms Act"

Absender Berlin NW 18 Elisabethstraße 28/29

 

 

Julius fromm, eigentlich Israel Fromm, wurde am 4. März 1883 in Konin an der Warthe, etwa 100 km von Posen entfernt, geboren. Wegen Armut und Perspektivlosigkeit zog seine Familie 1893 nach Berlin. Sie lebten im Scheunenviertel nahe dem Alexanderplatz und bestritten ihren Lebensunterhalt in Heimarbeit durch die Herstellung von Zigaretten und deren Verkauf. In Abendkursen studierte Julius Fromm Chemie. 1906 heiratete er und hatte mit seiner Frau drei Söhne.

 

In einer Hinterhofwerkstatt im Stadtbezirk Prenzlauer-Berg gründete Fromm 1914 eine Fabrik und Verkauf für Parfümerie und Gummiwaren. Er experimentierte mit Gummi und erfand ein transparentes und nahtloses Kondom aus Naturkautschuk. Ein Glaskolben wurde in eine Rohgummilösung getaucht. Das war den damals gebräuchlichen Verhütungsmitteln haushoch überlegen. Damit wurde Julius Fromm zum Marktführer im Kondombereich. Zur massenhaften Verbreitung kam das Kondom während des Ersten Weltkriegs. Aber auch Familienplanung und sexuelle Aktivitäten in den 1920er Jahren förderten das Produkt.

 

Seine Fabrik in der Rahnsdorfer Straße in Friedrichshagen platzte aus allen Nähten. 1929 wurde in der Friedrichshagener Straße in Berlin-Köpenick ein modernes Fabrikgebäude mit nationalen und internationalen Maßstäben gebaut. Es wurden derzeit 24 Millionen Kondome produziert.

 

 

  

Links Absenderfreistempel der Betriebsstätte Friedrichshagenerstr. 38/39,

rechts Absenderfreistempel Werk I Köpenick und Werk II Friedrichshagen.

 

 

Unter den Nazis versuchte Fromm seinen Betrieb weiterzuführen. Er schaltete Anzeigen, ließ in der Werkskantine eine Hakenkreuzfahne hissen und verteilte bei den Olympischen Spielen in Berlin 1936 an die internationalen Gäste einen zweideutigen Nahverkehrsplan. Obwohl er nicht an die "Langlebigkeit" der Nazis glaubte, verbrachte er seine Söhne vorsorglich dennoch ins Ausland. Die Hetze gegen Firmen unter jüdischer Leitung wurde immer maßloser. Eine freie Verkaufsmöglichkeit ließen die Nazis Fromm nicht. Sein Werk mit einem Wert von rund 8 Millionen Reichsmark, heutiger Wert etwa 120 Millionen Euro, mußte er auf Geheiß von Hermann Göring für 200 000 Schweizer Franken an dessen Patentante Elsibeth Edle von Epenstein - Mauternburg zwangsverkaufen. diese beschenkte Göring dafür mit den Burgen Veldenstein und Mauterndorf.

 

Julius konnte nach dem Zwangsverkauf seines Unternehmens Deutschland verlassen und emigrierte mit seiner Familie nach London. Dort starb nur wenige Tage nach Kriegsende 62 jährig. Das Werk im Ostteil Berlins wurde von der sowjetischen Militärverwaltung beschlagnahmt und vier Jahre nach dem Tod von Julius Fromm in Volkseigentum überführt. 1947 kaufte der Sohn Herbert  die Rechte am Markennamen von einem Vetter Görings zurück und schloß später mit der Bremer Hanseatischen Gummiwarenfabrik einen Lizensvertrag mit dem Produktionsstandort Zeven in Niedersachsen. Heute gehört das Unternehmen einem französischen Konzern an.