Feldhausen - Haus Beck

"von Wenge bis Wolff-Metternich zu Gracht"

 

Feldhausen und „Haus Beck“, vormals zum Kreis Recklinghausen gehörig, jetzt mit Kirchhellen zu Bottrop zählend, hatten mit Gladbeck historischen Verbund. Das Geschlecht derer von Becke wird seit dem 13.Jahrhundert in Urkunden erwähnt. Später besaßen u.a. die Familien  von Wenge und Wolff Metternich das Schloß. Dieser Zeit entstammen die Briefschaften.

 

 

Haus Beck 1928

 

 

Brief von Schloß Haag bei Geldern nach Haus Beck

in Feldhausen bei Kirchhellen. Schwarzer Departementsstempel

105 Geldern mit Leitvermerk unten links "durch Wesel und Dorsten" an:

 

 

Seiner Hochwürden Hochwohlgeboren

Dem Reichsfreyherrn von Wenge

Domcapitular des Domstiftes

Halberstadt und Münster

auf dem Schloße Beck

 

In der napoleonischen Zeit wurden in Frankreich und in den von

Frankreich besetzen Gebieten diese sogenannten Departements - Stempel

zur besseren Gebührenfestsetzung verwendet.

 

 

Die Adresse, eine sogenannte "Ergebenheitsadresse", und auch

der Brief sind ganz im Stil der Zeit aufgesetzt. Hier sprechen

Herren mit ihren Untertanen, nicht Bürger mit  Bürgern.

Die Schrift ist sauber und klar, der Brief stilvoll gehalten.

In Anbetracht des heutigen Verfalls aller guten Sitten,

und zu den guten Sitten zählen auch Stilistik und Schrift,

ein gutes Beispiel für den heutigen Schulbetrieb.

 

 

 

     

 

Napoleon Wasserzeichen im Briefpapier, welches in die

nachnapoleonische Zeit hinübergerettet und verbraucht wurde.

Papier war zu dieser Zeit ein recht kostbares Gut:

 

Napoleon Empereur des Francais Roi Ditalie

(Napoleon Kaiser von Frankreich und König von Italien)

 

 

Wörtliche Leseabschrift des Briefes:

 

Hochwürdiger Hochwohlgeborener Freyherr

Gnädiger Herr!

 

Euer Hochwürden Gnaden habe ich aus Auf-

trag der Frau Gräfin zu melden die Ehre,

daß der Herr Vicar Klein äußerst auf Auseinander-

setzung der Geschäfte in Düsseldorf dringet, in dem

dieselben durch längere Verzögerung nur noch ver-

wickelter würden, euer Hochwürden Gnaden

solle ich daher im Namen der Frau Gräfin

bitten, hochdero Überkunft so viel möglich, gefälligst

beschleunigen zu wollen, um von hier mit

euer Hochwürden Gnaden und dem Herrn Gra-

fen von Schaesberg, nach vorläufiger Benachrich-

tigung des Herrn Vicars Klein, die Reise nach

 

Düsseldorf zur Beendigung der dortigen Geschäfte

antreten zu können.

 

Die Frau Gräfin und der Herr Graf empfeh-

len sich euer Hochwürden Gnaden höflichst.

 

Genehmigen euer Hochwürden Gnaden

von mir gütigst jene tiefe Verehrung, mit

welcher ich zu seyn die Ehre habe.

 

Euer Hochwürden Gnaden

gehorsamer Diener

M. Herrentorf

 

Schloß Haag

den 20ten Juli 1814

 

 

1470 entstand eine Kirche. Die um 1600 gegründete Schule wurde auch von Kindern der angrenzenden Gladbecker Bauerschaften besucht. Das heutige Schloß baute der bedeutende westfälische Barockbaumeister Johann Konrad Schlaun von 1776 bis 1771 als ein architektonisches Glanzstück. 

 

   

 

 Zeichnung von „Haus Beck“  (H. Ridder/Recklinghausen),

das weiße Schloß, erbaut von J.C. Schlaun 1766-1771.

Nach den Schleifungen während der  französischen Feldzüge

 war das Haus ruiniert und mußte um 1850 neu aufgebaut werden.

 

  

Portofreie Stände-Sache 1861, hier Einladung zu einer Sitzung des Kreistages.

Der Graf war aufgrund seines Landbesitzes und des Klassenwahlrechts "kreistagsfähig".

 

Der Besitzer des „Hauses Beck“,

Levin Graf Wolff-Metternich zu Gracht

 lebte in Gracht bei Brühl.

 

 

Bei der Bahnpost in "Brühl" aufgegebener Brief, rückseitig dreizeiliger

Bahnpoststempel Mainz - Cöln III Tour. Darunter der klassische

Ausgabestempel des Eingangspostamtes.

 

 

 

Eigenhändig unterschriebene Einladung "Levin Graf Wolff Metternich"

zu einer Kreistagssitzung 1860. Die Rückseite ziert ein Lacksiegel.

 

 

 

Kaiserlicher Posteinlieferungsschein 1881 über eine Briefaufgabe ab Kirchhellen

an Wolff-Metternich in Anholt, heute ein Stadtteil von Isselburg. Der Postschein

hatte keinen Ortsvordruck. Wegen geringen Postaufkommens bekamen kleinere Postämter

Blankovordrucke. Die Annahme bestätigte der Postbeamte Feldmann.

 

 

 

 

Postzustellungsurkunde  an den Holzhändler Anton Küster in Feldhausen.

 

Die Postzustellungsurkunde wurde dem Comptoirgehülfen

Theodor Funke vom Postagenten Gröninger übergeben.

 

 

Das Dokument langte am 2.8.01 in Feldhausen ein und bekam auf der Rückseite

als Eingangsstempel einen Einkreisstempel mit Gitterbogen oben und unten von Feldhausen,

daneben der Eingangsstempel Recklinghausen vom 3.8.01.

 

 

 

 

Gräflicher  Holzverkauf

 

 

Holzverkauf 1899 beim Forsthaus Specht bei Bottrop und Schloß Gracht bei Liblar.

Aus Holzverkaufsanzeiger für Rheinland-Westfalen Verlagsort Recklinghausen.

Redaktion: Unfried Herzoglich Arenbergischer Oberförster

 

Feldhausen war schon früh an die Bahnpost angeschlossen, 1880 an die Strecke Wanne-Winterswyk

 und später an die Linie Wanne-Borken-Burlo. 1944 hatte Feldhausen eine Poststelle I.