Cosmann Eisendrath

 

1825 - 1901

 

 

 

Er stammt aus der großen Familie Eisendraht in Dorsten. Sein Vater war Samson Nathan (18.2.1785 - 17.5.1857), verheiratet mit Julia Isaak (19.10.1793-23.2.1878). Den Namen Eisendrath nahm die Familie 1846 an. Aufgrund des Emanzipationsedikts von 1812 und abschließend durch Gesetz vom 31. Oktober 1845 mußten alle Juden einen vererbbaren Familiennamen annehmen. Es bestand weitgehend freie Wahl bei der Namensgebung.

 

Cosmann Eisendraht wurde am 13. November 1825 geboren und verstarb am 12. November 1901. Verheiratet war er mit Fanny Jacoby (1833-1919). In den vorhandenen Unterlagen wird er als Händler geführt. Im vorliegendem Briefinhalt geht es um die Beschaffung von Honig. Ähnlicher Brief ab Meppen ebenso Honig betreffend 1846 an Salomon Speyer Halter (s. dort).

 

Die Familien Eisendraht wanderten bis um 1930 in die USA aus. Die Geschichte der Familie Eisendraht ist nachzulesen in dem Buch "Juden in Dorsten".

 

 

 

Zweifach adressierter Brief an die Witwe Speyer in Haltern

und Angabe des Absenders.

 

1/2 Sgr (6 Pfg.) Paar, insgesamt 12 Pfennige Postgebühr,

für einen Brief  bis 1 Loth  (1 Loth = 14,606 Gramm) und eine Strecke bis 10 Meilen.

Bis 31. Dezember 1849 = 1 preußische Meile 7532,5 m, ab 1. Januar 1850 1 geographische Meile = 7420,4 m.

 

Die Marke wurde am 5. Januar 1851 verausgabt und zeigt das Kopfbild König Friedrich Wilhelm IV. (1895-1861).

Der Markenhintergrund ist gegittert, Wasserzeichen Lorbeerkranz.

 

Beigesetzt ist der Kastenstempel Dorsten mit Stundenzahlen, mittig eine Verzierung in Form einer Sechstrahlrosette.

Diese Hauptform zählt zu den weitverbreitesten Stempelformen in Preußen. Beim Postamt Dorsten wurde dieser Stempel

bereits in 1840er Jahren eingesetzt. Rückseitig Einkreisausgabestempel Haltern vom gleichen Tag, Bestellgang 1.

 

 

 

Ringnummernstempel Preußen

 

Entwertet wurde das Markenpaar mit einem preußischen Ringnummernstempel mit der Nummer 336. An dieser Stelle wurde Dorsten im alphabetischen Postverzeichnis Preußens geführt.

 

Die Einführung des preußischen Nummernstempels fällt mit der der Preußen-Briefmarken zusammen. Am 15. November 1850 kamen die ersten preußischen Freimarken zur Ausgabe, und in der „Instruktion wegen Einführung von Marken zum Frankiren der Briefe“ des Ministers für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, von der Heydt vom 30. Oktober 1850 ist unter Absatz VI „Entwertungsstempel“  (Amtsblatt des Königlichen Post-Departements, Jahrgang 1850, Blatt 44 Nr. 238) auch die erste größere Verfügung, Poststempel betreffend, abgedruckt, welche hier im Auszug im originalen Wortlaut folgen soll:

 

 

VI  Entwerthungsstempel

 

„Damit einmal verwendete Marken nicht wiederholt benutzt werden können, müssen dieselben vor dem Absenden der Briefe als bereits gebraucht erkennbar gemacht (entwerthet)  werden. Zur Entwerthung sollen besondere Stempel in Anwendung kommen... Diese Stempel geben einen Abdruck von vier konzentrischen Ringen wieder und tragen in der Mitte die Zahl, unter welcher die betreffende  Postanstalt in dem alphabetischen Post-Anstalten-Verzeichnis erscheint“...

 

Im Kreis Recklinghausen wurden bei der ersten Verteilung 8 Postämtern diese neuen Poststempel zugeteilt. Die angesammelten Belege werden hier in alphabetischer Reihenfolge der Postorte aufgezeigt. Des weiteren wurden die Schließungsdaten von zwei Postämtern hinzugefügt, deren Ringnummernstempel dann an andere Postämter weitergereicht wurden.

 

Die Nummernstempel von 1- 1725 sind mit einem Male herausgegeben und damit den alphabetisch geordneten Postorten Aachen bis Zülzer zugeteilt worden. Die später hinzugekommenen Postämter bekamen die die Nummern 1726 - 1987 je nach der Eröffnung. Die vorgeschriebene Farbe für die Nummernstempel war die schwarze. Dennoch gibt es auch blaue und rote Abschläge. Auch Briefumschläge mit eingedrucktem Wertstempel mußten damit entwertet werden. Aber schon am 25. Oktober 1851 kam die Verfügung heraus, daß der Wertstempel mit blauer Tinte durchstrichen wird. Ab 1859 ging die preußische Post dann dazu über, nur noch den Orts-Aufgabestempel  als Entwertungszeichen zu benutzen. Damit ging die Zeit der Nummernstempel in Preußen zu Ende.

 

Briefinhalt

 

 

Leseabschrift:

 

Dorsten 8 Sep. 1857

Geehrte Wwe Speyer

 

Unseren Geehrten zufolge wegen Einkauf

des Honigs so habe ich mir schon davon

Gelegen sein laßen & werde ich binnen

 Kurzem schon mehrere  bekommen, weshalb

ich wünsche mir mit weiterer  Gelegen-

heit 3 oder 4 Tonnen zu senden, auch

erwarte ich das Sie mir so gewogen

sein werden & mich sobald sich die

Preise ändern, davon in Kenntnis setzen werden,

indeß gebe ich Sie die Versicherung

daß Sie zum Kauf desselben von

mir jeden anderen Gegenüber sollen bevor-

zugt werden.

 

Genehmigen Sie vorläufig meinen Gruß von

Cosm. Eisendrath

 

PS: Senden Sie doch die Tonnen in den

ersten Tagen. S.o.

 

Rand: Schreiben Sie mir schon jetzt genau,

was ich überhaupt bekommen kann.

 

 

Quellen

 Juden in Dorsten

Preußische Stempelformen: F.W. Thalmann

Beleg eig. Sammlung