„Was dir selbst unlieb ist, das füge keinem anderen zu.

Das ist das ganze Gesetz, alles andere nur Erläuterung.

Gehe hin und lerne es!“

 Hillel

 

 

 

Einleitung

 

Erläuterungen zum Begriff Judaica

 

 

 

Judaica gemäß Neues Lexikon des Judentums (Auszug):

"Der Sammelbegriff in der wissenschaftlichen Literatur umfaßte zunächst Schriften über das Judentum… Der Begriff wird aber auch als Abstraktum jüdischer Zeremonialobjekte angewandt".

 

Anmerkung: Heute auch gebraucht für Objekte und Belege die Bezug zum Judentum vor und auch nach der Gründung des Staates Israel haben.

 

Judaica in eigener Auslegung

Postwertzeichen und Absenderfreistempel sind dauerhafte Werbeträger über alle Zeiten. Das haben die unterschiedlichsten Systeme erkannt und auch ausgenutzt. Das Medium Philatelie im positiven Sinn zu nutzen ist hier die Aufgabenstellung, sind doch Marken und postalische Belege die Grundlage und Brücke zu den Personen, Firmen, Institutionen und Anlässen, die beschrieben werden.

Gelegentlich werde ich zu meinen Ausarbeitungen bezüglich der Themen Judaica und Israel befragt. Meine Kurzantwort beruft sich auf die Partnerschaftspflege Deutschland-Israel und die bestehenden Städtepartnerschaften. Die mittlerweile recht umfangreiche Arbeit auf diesem Gebiet hat aber tiefere Wurzeln. Begründet ist sie im Wesentlichen aus der Begegnung mit jüdischen Menschen Anfang der 1960er Jahre in Berlin und der Beschäftigung mit der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie, die einen starken Anteil Juden aufweist. Deren selbstverständliche politische Heimat war vormals die Sozialdemokratie. Die sozialdemokratische Bewegung und ihre jüdischen Vertreter waren besonders übermäßigen Verfolgungen ausgesetzt. Sie und alle anderen, die leiden und ihr Leben lassen  mußten, haben es verdient, in Erinnerung zu bleiben.

 

Ausgeweitet wurde der Personenkreis auf eine generelle Ebene, die jüdische Personen, Firmen, Institutionen und Anlässe im deutschsprachigen Raum erfassen  möchte. Dazu kommt die große Verehrung der Tenöre Joseph Schmidt und Richard Tauber, die Begeisterung für Fritzi Massary und viele andere Künstlerinnen und Künstler, die Bewunderung des Pioniergeistes von jüdischen Menschen, die aus einem kleinen Ort wie Birnbaum bei Posen stammend Weltkonzerne entstehen ließen. Gemeint sind Leonhard Tietz, besser bekannt unter der späteren Firmierung Kaufhof, oder der andere Zweig, Oskar Tietz, der spätere Hertie-Konzern. Auf ähnlicher Ebene gegründete, heute noch bestehende Weltfirmen sind u.a. Orenstein&Koppel, die Frankfurter Zeitung oder die Verlage S. Fischer und Ullstein.

  

Ein wesentlicher Aspekt jedoch ist die schmähliche Verachtung dieses Personenkreises und die Verfolgung und Vernichtung über die Zeiten, insbesondere während des Dauerpogroms in der unseligen Zeit zwischen 1933 und 1945, was uns immer schmerzen wird. Sicherlich hätten viele andere Menschen mehr aus den jüdischen Reihen eine Erwähnung verdient. Umfassende Würdigungen können aber nur Spezialwerke wiedergeben.  

 

Aufgenommen wurde zunächst der Kreis an Personen, Firmen  und Institutionen, denen bereits eine Briefmarke gewidmet wurde oder ein Poststempel zugeteilt werden konnte. Das philatelistische Element wird ergänzt durch Fotos und Autogramme/Autographen bei Ermangelung einer Marke oder eines Stempels. Die Kurzbeschreibungen geben in aller Regel wichtige Stationen im Leben der aufgeführten Personen, Firmen, Institutionen oder der Anlässe wieder. Erschöpfende Auskunft ist in den entsprechenden Nachschlagewerken zu finden. Irgendwelche Ansprüche hinsichtlich Vollständigkeit oder wissenschaftlicher Tiefgründigkeit werden nicht erhoben, waren  nicht Zweck dieses Vorhabens und auch gar nicht beabsichtigt.  Es wäre auch wenig sinnvoll, mit gut dokumentierter jüdischer Geschichte in Wettbewerb zu treten.

 

Auf jeden Fall zeigen die Ausarbeitungen, wie stark und positiv das Judentum in Deutschland vertreten war. Sie halten die Erinnerung wach an einen verdienten Personenkreis. Die interessanten Lebensläufe und Firmengeschichten sowie die damit verbundenen Belege bereiten mir immer wieder aufs Neue Freude bei der Betrachtung und bei der Bearbeitung, geben aber auch Anlaß zum Nachdenken. Freude und Nachdenken  möchte ich  mit den Ausarbeitungen weitergeben.

 

Karl Heinz Mainczyk

2004