Arthur Eichengrün

1867  - 1949

 

 

 

Belgische Publibel-Karte (Ganzsache mit eingedruckter Marke)

mit dem Bild einer leidenden Frau und Textzudruck Aspirin-Werbung:

Gegen alle Schmerzen: Rheuma, Grippe, Schüttelfrost

 

 

 

Arthur Eichengrün wurde am 13. August 1867 in Aachen als Sohn eines Textilhändlers geboren. Er besuchte das dortige Kaiser-Karl-Gymnasium. Nach dem Abitur begann er in Aachen ein Chemiestudium. Dieses setzte er in Berlin fort und promovierte 1890 in Erlangen. Ab 1896 arbeitete er für die Bayer AG in Pharmarzieforschung.  Hier war Eichengrün an der Entwicklung wichtiger Arzneimittel wie Protargol, Helmitol und Aspirin beteiligt.

 

1908 verließ er das Unternehmen und gründete in Berlin eine eigene Firma, die Cellon-Werke.  Als wichtigstes Fabrikationsvorhaben gelang hier durch Beigabe geeigneter Zusatzmittel die Herstellung eines nichtbrennbaren Acetylzellulose-Zelluloids. Dieses „Cellon“ genannte und von der Rheinisch-Westfälischen Sprengstoff Aktiengesellschaft/Dynamit Aktiengesellschaft, Troisdorf hergestellte Erzeugnis fand wegen seiner Unentflammbarkeit als Ausgangsmaterial für mannigfache Gebrauchsgegenstände Verwendung.

 

Sein Unternehmen wurde 1938 von den Nazis "arisiert". 1943 wurde Eichengrün inhaftiert und zu vier Monaten Haft verurteilt, weil er es unterlassen hatte, den Zwangsbeinamen "Israel" in den Namen seines Unternehmens einzufügen. Im Mai 1944 wurde er erneut aufgrund desselben Vorwurfs verurteilt und für 14 Monate in das KZ Theresienstadt deportiert. Maßnahmen, die der Hochbetagte mit Seelengröße ertrug. Nach seiner Befreiung kehrte er nach Berlin zurück. Eichengrün verließ die Stadt jedoch schon 1948 in Richtung Bad Wiessee in Bayern. Dort starb er im folgenden Jahr am 23. Dezember 1949 im Alter von 82 Jahren.

 

 

CSR Absenderfreistempel Frankotyp mit Aspirin-Werbung;

hier unter dem tschechischen Namen Acylpyrin.
 

 

Arthur Eichengrüns Verdienste alleine auf den Streit um die Erfindung des Aspirins zu reduzieren, würde diesem genialen Mann nicht gerecht werden. Eichengrün wurde für zahllose Entdeckungen berühmt. Er war im Besitz von 47 Patenten. Das ihm die Erfindung des Aspirins dennoch gutgeschrieben wurde, ist Walter Sneader von der Universität Strathclyde in Glasgow zu verdanken.  Der kam am Schluß seiner Untersuchungen zu dem Ergebnis, daß Eichengrüns Darstellungen zur Entdeckung des Aspirins überzeugend und richtig seien. Das wird von der Bayer AG bestritten.

 

 

„Es trifft sich herrlich, daß von vielumstrittenen (Lehr)sätzen

auch immer das Gegenteil richtig ist. So geht es den meisten Wahrheiten“.

Roda Roda

 

 

 

 

Quellen

Eichengrün Biographie

Clärenore Treumann-Gottschalk

Wiener Zeitung 1999 u.a.