Gymnasium Petrinum Recklinghausen

Korrespondenz an den Landrat Devens 1836

 

 

 

In einem Brief an den Landrat des Kreises Recklinghausen rügte die Verwaltung des Gymnasiums das in dem Brief bezeichnete Verhalten des Schülers Edmund Devens (Franz Joseph Edmund Devens (1824–1848). Dieser war das siebte von elf Kindern des Ehepaares Devens. Der Vater des gerügten Schülers war der erste Landrat des Kreises Recklinghausen, Friedrich Karl Devens. Der Sohn bekam den gleichen Namen wie sein Großvater, der Regierungsdirektor und Geheime Referendar Dr. Edmund Billmann (a.a.O.).

 

 

 

Recklinghausen - Haus Welheim bei Bottrop

1838

 

  

 Portofreier Dienstbrief  - H. Sch. S./Dienstliche Schul Sache

des Direktoriums des Gymnasium Petrinum in Recklinghausen

an den damaligen Landrat des Kreises Recklinghausen,

Herrn Devens auf Haus Welheim, dem Sitz der Familie Devens.

 

 

 

   

Auf der Briefvorderseite ist der mittlerweile stark abgenutzte Einring/Fingerhutstempel

der Recklinghäuser Post abgeschlagen. Ein Ausgabestempel der Bottroper oder Essener Post fehlt.

Über beide Ämter wurden nachweislich Briefe nach Welheim abgeleitet.

Die Rückseite ziert ein guterhaltenes Siegel des Gymnasium Petrinum.

 

 

 

 

 

  

 

         Wortgetreue Leseabschrift:

 

         Euer Wohlgeboren ersuche ich nach § 14 der Disziplinar=

         ordnung über die schlechte Aufführung Ihres Sohnes

         Edmund folgende Anzeige machen zu müssen:

 

         Am 2. d.M. hat er im J. Sternemannschen Hause Liquör

         getrunken, und, wie es sich bei der Untersuchung ergab,

         dieses auch schon früher einmal zu Hause gethan. Ferner

         hat er am vorigen Sonntage mit einigen Mitschülern

         in seinem Zimmer Bier getrunken, welches er selbst aus

         dem Keller seiner Wohnung heimlich geholt hatte. Bei der

         Untersuchung wurde er auf mehrere hartnäckige Lügen

         ertappt, wobei wir zugleich erfuhren, daß er einen

         Mitschüler zum Lügen verführt hatte. Am 5. ver=

         säumte er den ganzen Tag die Schule und zu hause

         über die Ursache befragt, gab er  vor, es wäre frei;

         bei mir suchte er sich mit Krankheit zu entschuldigen.

         Als er den versäumten Tag an freien Nachmittagen

         nachholen sollte, und ich für den ersten ihm eine

         Arbeit aufgab, bediente er sich eines frechen Aus=

         druckes, in Folge dessen  er aus der Klasse ge=

         wiesen wurde. Dieses geschah vorgestern morgen,

         nach Mittag kam er jedoch zu mir und that Abbitte.

 

         Das Lehrerkollegium hat ihn für diese Vergehen einen

         Tag Karzerstrafe, einen Tag strengen Klassenarrest bei

         Wasser und Brot und für eine unbestimmte Zeit

         einer strengeren  Kontrolle bestimmt.

 

 

Recklinghausen, den 10. Mai 1838

                                               Casper

 

                   -Gelesen Stieve.                              Anmerkung:

                                                                           Wilhelm Casper, Oberlehrer

      An                                                                 Heilige Geiststraße 14

den Herrn Landrat Devens                          

         Wohlgeboren                                              Friedrich Stieve,

        auf dem Hause                                             Gymnasialdirektor

               Welheim                                                         Markt 19

 

 

Quellen

Belegvorlage Exemplum

Archivmaterialien