Friedrich Karl Devens

 

Erster Landrat des Kreises Recklinghausen

 

 

 

 

Korrespondenzen aus dem Kreis der Familie

 

Devens wurde am 7. November 1782 in der Vestischen Ortschaft Horst-Emscher, heute Gelsenkirchen-Horst, geboren. Er besuchte die Klosterschule zu Essen. Devens studierte in Halle an der Saale und legte 1804 sein Advokatenexamen ab. Bei seinem späteren Schwiegervater Edmund Billmann (z. Zt. der Eheschließung mit dessen ältester Tochter Antonette bereits verstorben), diente er als Referendar der Herzoglich-Arenbergischen Regierung in Recklinghausen. 1805 wurde Friedrich Karl Devens Hofgerichtsrat beim Hofgericht am gleichen Orte, gleichzeitig Syndikus der Kommende (geistlicher Ordensbesitz) zu Welheim bei Bottrop.

 

Zur Zeit der napoleonischen Fremdherrschaft wurde Devens Großherzoglich-Bergischer Steuerrevisor der Division Recklinghausen, 1812 Advokat beim Bergischen Appellationshof am gleichen Ort  und preußischer Justizkommissar sowie Landtagsabgeordneter der Provinz Westfalen.

  

Der wirkliche Hofgerichtsrat Friedrich Karl Devens vermählte sich am 3. September 1811 mit der ältesten Tochter des Dr. Edmund Billmann, Franziska Gertrud Antoinette. Aus der Ehe des Landrates sind acht Kinder  hervorgegangen. Devens erwarb 1821 Haus Knippenburg, ein Wasserschloß an der Emscher bei Bottrop. Dort lebte alljährlich als Gast die Dichterin Luise Hensel. Auf dem Anwesen wurde sie zu ihrem berühmten Gedicht "Müde bin ich, geh zur Ruh" inspiriert.

 

 

 

  Haus Welheim im Jahr 1911.

 

Im einem zweiten Anlauf wurde Friedrich Carl Devens im Jahr 1829, vor mehr als 180 Jahren, zum ersten Landrat des Kreises Recklinghausen gewählt. Auf Intervention des Freiherrn von und zum Stein, der den landrätlichen Commissar von Westerholt-Gysenberg als faul und unfähig bezeichnete, wurde ein zweiter Wahlgang angesetzt, Devens gewählt und daraufhin zum Landrat ernannt. 1848 erkrankt Devens schwer und stirbt 1849. Sein Nachfolger wird der Freiherr von Reitzenstein.

Devens machte sich besonders verdient bei der Ordnung des Katasterwesens und als Landtagsabgeordneter der Provinz Westfalen, wobei er sich der Unterstützung des Staatsministers Freiherrn Friedrich von und zum Stein (1757-1831) erfreuen konnte, zu dem er in naher Beziehung stand. Auf dessen Vorschlag wurde ihm 1820 von Friedrich Wilhelm III der „Rote Adlerorden IV. Klasse“ verliehen.

 

 

 

Briefhülle "An den Königlichen Landrath Herrn Devens Ritter hochwohlgeboren in Welheim".

Der Brief selbst genoß Portofreiheit und war dementsprechend als "Polizeisache Cito" (eilig) austaxiert.

Absender war gemäß Siegel auf der Rückseite der Magistrat der Stadt Recklinghausen 1840.

 

 

 

Schloß Welheim - Amtssitz von Devens

 

  

  

Fritz Devens an seinen Vater (1839) über die Ausbildungsmöglichkeiten

seines Bruders Anton zum Fähnrich im Münster

 

Austaxierter Brief mit kleinem Einkreisstempel Münster

und Aufgabezeit 9-10 (Vormittags).

 

 

   

 

Leseabschrift des Briefes im Wortlaut:

 

 

Münster 8. Juli 1839

 

        Liebster Vater!

 

Sofort nach meiner Ankunft

habe ich mich verabreden müßen

mit dem Lieut. Sternberg

besprochen, und somit es

Dir genau mittheilen

zu können wie und unter welchen

Bedingungen derselbe Anton zum

Fähnrich=Examen reif machen

will. Sternberg nimmt Anton

ganz zu sich und hält ihn stündlich

unter spezieller Aufsicht, dann

unterrichtet er ihn in der Geschichte

und Geographie, läßt ihn aber

in der Mathematik der französischen

und deutschen Sprache, wegen Mangel

an Zeit, durch andere Lehrer unter

seiner Leitung und Aufsicht den

                                        nöthigen

 

Unterricht ertheilen. Für Wohnung, Auf-

wartung und den Unterricht in den beiden

gedachten Gegenständen, wobei wohl die

Mühe der Nachhülfen bei aller frühen und

der ununterbrochenen Inspektion zu verzögern,

 

fordert Sternberg monatlich        =                12 Thaler

 

der Unterricht im französischen

wird nach seinen Angaben per Monat mit        2 "

 

so im deutschen                                             2 "

 

in der Mathematik mit                                    4 "

 

im Ganzen also                                            20 T.

 

Das Mittag und Abendessen läßt sich

Anton für seine eigenen Rechnung holen

und wird beides zusammen auf 6 Th

kommen.

 

Sternberg versichert mich er könne da für

einstehen, daß A. (Anton) selbst bei nur gerin-

ger Anstrengung zu Euch künftigen

Winters das Examen besehen würde.

Gegen jene Bedingungen läßt sich m.E.

nichts erinnern, und bemerke ich

noch daß mir Stbg. als ein sehr

solider fester Mann erschienen ist

der dazu wie ich aus anderer Konversation

                                                    entnahm

 

ganz den richtigen Takt besitzt und Anton zur

Erreichung seines Gewerkes in jeder Beziehung die

gehörige Richtung zu geben. Ein gewißer Referendar

Fischer ertheilt ihm auch in dieser Beziehung das

größte Lob, indem Sternberg seinen Bruder, mit

dem alles fruchtlos versucht wurde, binnen Kurzem

in aller Hinsicht musterhaft ausgebildet habe, mit

dem Bemerken, man könne sich gratulieren, wenn

Stbg. sich zu einem ähnlichen Unternehmen versehen

wolle. Unmaßgeblich würde ich also rathen, Anton

baldigst hierher zu schicken; nur wird es Sternberg

lieb sein, wenn er zu Anfang eines Monats, insbesondere

August, spätestens aber September kommt.

 

Schuhmann und andere Lehrer der Divisions Schule

bilden auch wohl junge Leute zum Fähnrich Examen,

laßen sich jedoch mit bezug auf die obigen Sätze

doppelt und dreifach schmieren und nehmen die dieselben

in keiner anderen Beziehung unter ihre Aufsicht.

Nun bitte ich mir nur umgehend zu schreiben,

ob Du hienach fest entschloßen bist Anton

dem Stbg. an einen der gedachten Terminen

anzuvertrauen, ob er wegen seiner häus-

lichen Einrichtungen hierüber baldigst sichere

Resolution wünscht. Auch mehrere andere

Offiziere, bemerke ich noch, bei denen ich mich

erkundigt, haben mir den Sternberg als

einen in jeder Hinsicht moralischen, tüchtigen

und zuverläßigen Mann geschildert.

Deiner baldigen Antwort entgegensehend

grüße ich dich und die Geschwister herzlich

 

Dein Fritz

 

 

 

Recklinghausen - Welheim

 

An die Frau Landrath Devens zu Welheim par Essen

 

  

Freimarkenausgaben Preußen 1 Sgr. , geschnitten, vom 15. November 1850

Kopfbild König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861).

 

 

Die Marke zeigt klar erkenntlich die Tönungen dieser Ausgabe,

die von hellgrau, rosa, karminrot bis feuerrot tendieren. Wasserzeichen Lorbeerkranz.

 

 

Portostufe 1 Silbergroschen (Sgr.) = 12 Pfg. für Briefe bis 10 preußische Meilen (ca. 75 km) unter

1 Loth (ca. 16g) Gewicht, entwertet mit einem Vierring-Nummernstempel „1209“ Recklinghausen.

Beigesetzt ist der Kastenstempel ohne Jahr Recklinghausen. Die Marke gehört zur ersten Markenausgabe.

 

Auf der Rückseite wurde der Bahnpoststempel der 2. preußischen Form,

ein dreizeiliger Textstempel der Bahnpost Minden-Deutz III Tour, abgeschlagen.

Der Brief selbst wurde einen Tag später nach Welheim ausgeliefert.

Welheim lag auf Bottroper Gebiet.

 

 

 

Leseabschrift

 

Recklinghausen, den 16/2 53

 

Liebe Mutter

 

In Minnas Namen danke ich Dir herzlich und freundlich für die schönen Söckchen.

Sie machen ihr große Freude. Gott sei dank ist Minna wieder völlig hergestellt und

die Kräfte werden  allmählich wieder zunehmen, so haben wir uns  keine Sorgen

mehr zu machen. Und glauben, wir alle mit Dr. Schneider, daß das Fieber ein Ende hat.

 

Minna freut sich nun auf ihre im Frühjahr anzutretende Reise nach Meppen,

sie wird sich dort erst erholen und auch mit ihrer Mutter das Seebad in Norderney

besuchen. Da ist sie kregel und artig, wie man  es uns wünschen kann und nicht unsere

Herzen knickt. Wir warten noch auf den Besuch des Herrn von Meppen und Hannover.

 

Minna läßt Euch allerherzlichst

Grüßen

 

Dein Fritz