Deutsch-Israelitischer Gemeindebund

 

Fürsorgeerziehungsanstalt für Knaben in Repzin

 

 

 

 

Der Deutsch-Israelitischer Gemeindebund (DIGB s. Emblem) war ein Dachverband der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Er diente dem Erfahrungsaustausch im Verwaltungswesen, die Hebung des sozialen, wissenschaftlichen und ethischen Lebens der deutschen Juden. Gegründet wurde der Bund am 29. Juli 1869 in Leipzig und behielt diesen Standort bis 1882. Geleitet wurde der Bund bis dahin von Jakob Nachod und Moritz Kohner. Danach ließ sich der Bund in Berlin nieder. Etwa 800 Bundesgemeinden waren Mitglied. Es gab eine Bibliothek von ca. 5000 jüdisch- wissenschaftlichen Werken im Jahr 1907.

 

 

 

 

Ansichtskarte des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes aus dem Verlag J. Wieland Berlin S 59.

Grußkarte mit Emblem Gemeindebund von Berlin Halensee mit Verabredung am Kaiserwall in der Conditorei Felder.

 

 

Der Gemeindebund schuf vielerlei Stiftungen und Institute, u.a. auch eine Fürsorgeerziehungsanstalt für Knaben in Repzin (s. Abb.). Dort lebten schwer erziehbare Jugendliche aus gestörten Familien, die einmal, zu besonderen Anlässen auch zweimal im Monat Briefe schreiben durften. Der Direktor der Anstalt, Baranowitz, kontrollierte den Schriftverkehr. Der Akt des Schreiben war dort nur eine Formalie. Eine Verbesserung der Familieverhältnisse war dadurch nicht zu erwarten.  In Repzin waren die Schlafzimmer kahl, lediglich die Tagesräume wurden durch Bilder an den Wänden lebhafter gemacht. Im Sommer kamen Blumen aus dem Garten hinzu. Durch eine freundliche Umgebung erhoffte man sich positive Auswirkungen auf den Gemütszustand der Jugendlichen.

 

Der Gemeindebund war zweifellos ein Bund von Religionsgemeinschaften, allerdings eine Vereinigung des Privatrechts. Erst nach Änderung der Statuten wurde dem Bund 1921 dann tatsächlich der Status einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft verliehen. Auch die erste Jüdische Arbeiterkolonie in Berlin-Weißensee wurde 1902 vom DIGB  eröffnet. Die Nutzung wurde 1922 eingestellt. Ab 1923 wurde das Hauptgebäude als Dauerheim für erwachsene jüdische Behinderte genutzt. 1935 kam noch ein Mädchenheim hinzu. Im April 1942 wurden die ersten Bewohner des Heims in das Zwangsarbeitslager Trawniki deportiert und sind dort ermordet worden. 1980 wurde im Innenhof eine Stele zur Erinnerung an die Deportation aufgestellt.

 

 

 

Quellen

Meyers Großes Konversationslexikon

Div. Judaica Quellen

Ansichtskarte eigene Slg.