E R N S T     D E U T S C H

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Der junge Ernst Deutsch 1924 in dem Stummfilm "Soll und Haben"

von Gustav Freitag mit seiner Partnerin Mady Christians (1892-1951).

Rechts Altersporträtfoto 1967 mit eigenhändiger Unterschrift.

 

 

 

„Ich werde über die Jahre der Emigration nicht sprechen, ich sage nur eines:
Außer einer unheilbaren Krankheit kann einen nichts

Schlimmeres treffen als die unfreiwillige Emigration.“
 

 

 

Ernst Deutsch wird als Sohn eines Großkaufmanns am 16. September 1890 in Prag geboren. Prag galt zur Jugendzeit von Ernst Deutsch als ein Zentrum kultureller Innovation. Aus diesem Umfeld stammen auch Kafka, Werfel, Brod, Rilke, Haas, Torberg und v.a. Werfel und Deutsch verband seit dem Schüleralter eine tiefe Freundschaft.

Der Lebensweg von Ernst Deutsch wird bestimmt durch literarische Richtungen des Expressionismus. Deutsch geht nach Wien und erlangt später in Dresden in der Titelrolle von Walter Hasenclevers Jugenddrama „Der Sohn“ den Durchbruch als expressionistischer Schauspieler par excellence. 1917 holt ihn Max Reinhardt (a.a.O.) ans Deutsche Theater nach Berlin, wo Ernst Deutsch die 20er Jahre verbringt. Sein Bühnenrepertoire umfaßte vorwiegend die großen Helden der Klassiker. Er übernimmt aber auch komödiantische Rollen.

 


 

 


Das Jahre 1933 bringt eine entscheidende Wende in seinem Leben; das Nazisystem zwingt ihn zur Emigration, wie auch Albert Bassermann, Grete Mosheim und Elisabeth Bergner. Bis 1938 hält sich Deutsch überwiegend in Prag oder London auf und geht dann in die USA.

 

Zu seinen frühen Filmen gehörte die Rolle des „Baron Kurtz“ in dem Filmklassiker "Der Dritte Mann"  von Carol Reed. Als „Bester Schauspieler“ wurde er 1948 in Venedig für seine Leistung im Film „Der Prozess“ ausgezeichnet. Größte Theater-Erfolge feierte er als "Nathan der Weise" im gleichnamigen Klassiker von Gotthold Ephraim Lessing sowie als „Shylock“ in William Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig". Mit dieser Inszenierung reiste er durch ganz Europa.

 

 

 

 

Programmblatt zum Film "Der dritte Mann" 1949.

Rechts Szenenfoto mit Joseph Cotton, Paul Hörbiger und Ernst Deutsch.

 

 

In Wien, seiner ersten Station nach der Rückkehr, übernimmt er die Hauptrolle in dem Pabst-Film „Der Prozeß“, spielt den „Jedermann“ in Salzburg, steht in Berlin, Düsseldorf und Wien auf der Bühne. 1954-1963 schreibt er Theatergeschichte. Die Würde seines Nathan, die tragische Ironie seines Geheimrates Clausen und die Schärfe seines Shylock schufen ein neues Rollenverständnis. Am 22. März 1969 stirbt Ernst Deutsch. Das ehemalige „Junge Theater“ in Hamburg wird am 25. März 1973 zu seinen Ehren in „Ernst-Deutsch-Theater“ umbenannt (s. Abb. Absenderfreistempel). Seine Grabstätte befindet sich auf dem jüdischen Friedhof an der Heerstraße/Scholzplatz in Berlin-Charlottenburg.