C.I.C. Camp 4 Recklinghausen

 Recklinghausen -  Hillerheide

1945–1948

 

 

 

Civil Internment Camps (CIC) waren britische Lager für deutsche Gefangene, die beschuldigt wurden oder verdächtig waren, Kriegs- bzw. NS-Verbrechen begangen zu haben. In der britischen Zone gab es sieben durchnummerierte Camps, u.a. in Recklinghausen und Herne (später Eselheide). Die Lebensbedingungen in den Camps waren schlechter als in den Gefangenenlagern. Die Insassen hatten besonders unter Übergriffen bei Vernehmungen zu leiden. Camps unterhielten auch die Amerikaner; allein im Raum Ludwigsburg befanden sich neun solcher Lager (CIC No. 71-79). Helmut Horten saß 17 Monate in Recklinghausen ein mit dem ehemaligen Adjutanten des NS-Gauleiters Bohle, Rudolf Tesmann. Ebenfalls für einige Tage war dort Alfried Krupp von Bohlen und Halbach untergebracht.

 

 

 

 

Aufgeführt wird eine Auswahl vorhandener Korrespondenzen Inhaftierter ohne Bewertung.

Zu komplexen Beschreibungen des Lagerlebens wird auf die zahlreichen Ausführungen im Internet verwiesen.

 

 

Eingangspost frankiert

mit eingeschränkten Mitteilungen

 

 

 

 

Ausgangspost portofrei

 

 

 

 

Post ab Recklinghausen in andere CIC-Lager 3.5.46

via B.A.O.R (British Army of the Rhine/Rheinarmee)

 

Altgediente Recklinghauser PG´s wurden auch außerhalb interniert.

 

 

Verlegung in das berüchtigte Lager Eselheide für schwerwiegendere Fälle

ab Recklinghausen 4.11.46.

 

 

 

Späte Lagerpost über Bonn 1949

 

 

 

Selbstgefertigte Grußkarte eines Insassen

 

 

 

 

 

Old Lace (Alte Spitze) steht für Schnellverfahren als Vorschaltung nachfolgender zivilrechtlicher Prozesse.

In Recklinghausen gab es eine Kammer.

 

Wegen Nachgebühr nach Entnahme zurückgegebener Brief. Vielfach von Behörden geübter Vorgang

zwecks Vermeidung der Nachgebühr.

 

 

 

Mehrfach weitergeleitete Nachgebühr-Karte der Reichsbank

in das Lager Recklinghausen

 

 

 

 

In sogenannten Spruchkammerverfahren wurde die Masse der Inhaftierten abgeurteilt. Geleitet wurden die Kammern von un- oder minderbelasteten Juristen und Laienrichtern. Es wurden Strafen, je nach Nazi-Aktivität, bis zu 10 Jahren ausgesprochen. Gegenüber gängigen Strafverfahren war bei den Spruchkammern die Beweislast umgekehrt. Die Betroffenen mußten ihre Schuldvermutung entkräften und nicht die Spruchkammer deren Schuld beweisen. Die Mehrheit der Angeklagten suchte sich zu rechtfertigen. Der Volksmund prägte für dieses Verhalten den Begriff des Persilscheins. Mehr als die Hälfte der Spruchkammerverfahren endete mit einer Einstufung als Mitläufer.  Am 15. April 1948 schließen die  britischen Besatzer das Lager. Im Jahre 1949 begann ein schrittweiser Abbau der Spruchgerichtsbarkeit.  Ab 1. Apr. 1950 existierten nur noch der Oberste Spruchgerichtshof im Hamm sowie das Spruchgericht und die Anklagebehörde in Bielefeld. Wegen der starken Wohnungsnot zogen Bergarbeiter in die Baracken auf der Hillerheide ein.

 

 

Brief an das Spruchgericht in Recklinghausen

 

Ovaler Badischer "Gebühr bezahlt" Stempel auf Brief

der Kriminalpolizei Konstanz.

 

 

 

Quellen

Vestischer Kalender

Belege Eigenmaterial