L É O N    B L U M

 

Sozialist

 

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Léon Blum (links unten) mit anderen jüdischen Persönlichkeiten

auf einer Blockausgabe der israelischen Post 1998.

 

 

Der spätere Politiker und Schriftsteller Leon Blum wurde am 9. April 1872 in Paris geboren. Er besuchte das Elitegymnasium Henri IV in Paris zusammen mit seinem Schulkameraden André Gide. Sie gründeten eine Zeitschrift, um dort ihre eigenen Gedichte zu veröffentlichen. Die Freundschaft mit Gide begleitete seine literarische und politische Laufbahn. Anfangs war er als Theaterkritiker und als Autor tätig. Ohne Verfassernamen veröffentlichte er 1901 in Paris ein Buch mit dem Titel "Nouvelles Conversations de Goethe avec Eckermann". Erst acht Jahre später gab sich der mit der deutschen Literatur vertraute Léon Blum zu erkennen. Die Dreyfus-Affäre und der erste Weltkrieg ließen den Literaten Blum zum Politiker werden.

 

1895 wurde er Mitglied des Staatsrats und gehörte 1902 zu den Mitbegründern der Sozialistischen Partei Frankreichs. 1914 - 1916 war er Kabinettschef des Ministeriums für öffentliche Arbeiten. Im Jahre 1929 beteiligte sich Léon Blum an der Gründung der erweiterten Jewish Agency for Palestine. Als Politiker und Publizist war er wegen seiner exponierten Stellung im öffentlichen Leben Frankreichs massiven antisemitischen Angriffen ausgesetzt. In den 30er Jahren ergriff er die Initiative für die französische Volksfront, die er als historisches Bündnis von Arbeiterbewegung und bürgerlichen Intellektuellen propagierte.

 

Französische Sondermarke

mit Ersttags-Sonderstempel

 

 

In den Jahren 1936/37 und im März 1938 war Léon Blum Ministerpräsident. 1940 ließ ihn Marschall Petain (Vichy-Regime) verhaften. Sein Appartement wurde von der Gestapo geplündert. Große Teile seiner Korrespondenz gelangten nach Berlin und bei Kriegsende nach Moskau. Erst 2010 wurden die Briefe der Familie wiedergegeben.

 

Léon Blum‘s mutiges Auftreten im Prozeß von Riom erregte internationales Aufsehen. Er verteidigte sich so geschickt, daß aus Anklägern Angeklagte wurden. Der Prozeß wurde abgebrochen und Blum 1939 - 1945 als Geisel im KZ Buchenwald interniert. Zu Blums Compagnon im Falkenhof am Rande des KZ Buchenwald gehörte der ehemalige Minister Georges Mandel. Er wurde 1944 nach Frankreich gebracht und im Wald von Fontainebleau ermordet.

 

Nach seiner Befreiung übernahm Léon Blum die Leitung des sozialistischen Organs „Le Populaire" und war führend in der Programmkommission der UNESCO tätig. Im Dezember 1946 (bis Januar 1947) wurde er erneut zum Ministerpräsidenten gewählt. 1945 erschien Blums einflußreiches Werk „A l’echelle humaine" (deutsch 1947: "Blick auf die Menschheit"). Leon Blum starb am 29. März 1950 in Jouy - en - Josas. Israel und Frankreich ehrten ihn mit Sonderbriefmarken.