Bahnpost im Kaiserreich

 

Dreizeilige Textstempel

 

 

Bahnhof Recklinghausen

 

Foto aus dem Jahr 1875

 

 

Wanne - Hamburg

 

Als erste Eisenbahnlinie durchzog die Strecke Köln - Hamburg den Kreis Recklinghausen von Süden nach Norden. Am 1. Januar 1870 wurde der erste Streckenabschnitt Wanne - Münster eröffnet. Es folgte am 1. September 1871 der weitere Ausbau nach Osnabrück. 1874 war der Bau der Strecke bis Hamburg vollendet und Recklinghausen wurde eine Station der Bahnstrecke Wanne-Eickel - Hamburg. Das war die kürzeste Verbindung des Ruhrgebietes mit Norddeutschland, insbesondere nach Osnabrück, Bremen und Hamburg. Weitere Stationen auf Kreisgebiet waren Sinsen und Haltern. Jüngste Strecke war die 1905 eingerichtete Hamm - Osterfelder Bahn, die die Köln Mindener Strecke entlasten sollte (a.a.O.). Für die Bearbeitung der Post wurden spezielle Bahnpost - Streckenstempel eingesetzt, die in der Folge aufgezeigt werden.

 

 

 

Der alte Bahnhof Recklinghausen von 1870

in Nord-Süd Richtung

 

 

Postbeförderung über die Bahnstrecke Wanne - Münster, eröffnet am 1. Januar 1870,

als Zweigbahn Wanne/Recklinghausen/Haltern mit Anschluß an die Linie Paris - Hamburg.

 

Handschriftliche Bahnpost-Vermerke

 

Paketbegleitbrief 1871 Münster - Recklinghausen

 

Dreizeiliger Rechteckstempel "Münster in Westphalen

vom 25 8 71 12-1 N" ( Nachmittagsaufgabe der Post).

 

 

 

 

 

Siegel "Kön.: Preußische Regierung zu Münster",

handschriftlicher Auskartungsvermerk der Bahnpost

und Ausgabestempel des Postamtes Recklinghausen

vom gleichen Tag.

 

 

Paketbegleitbrief  1871 Münster - Recklinghausen

 

Vorderseitig violetter F-Stempel Münster und rechteckiger Packkammerstempel

des Postamtes Recklinghausen. Des weiteren oben links die Gewichtsangabe

und der Hinweis "Portopflichtige Dienstsache/frei".

 

 

Franko-Stempel, auch F-Stempel genannt,

wurden von der preußischen Post

1864 eingeführt und dienten der Barfreimachung.

 

Rückseitig blauer Auskartungsvermerk der Bahnpost

und Ausgabestempel Recklinghausen.

 

Weitere Postbeförderungen über die Bahnstrecke

Wanne - Hamburg

 

Handschriftlicher Aufgabevermerk Haltern.

Am 1. Januar 1870 war die Strecke bis Münster fertiggestellt.

 

 

 

 

Leseabschrift:

Mein Ergebenes von heute bestätigend bitte ich mir gefl. mitzutheilen. zu welchen

äußersten Preise Sie mir 1 Waggon Drahtstifte belassen können.

Hochachtungsvoll   J. Runsch Haltern 9.3.73

Recklinghausen - Melle

 

Dreizeiler Oberhausen - Münster auf Postkarte mit Wertstempel 1/2 Gr. braun,

Adler in großer Ellipse, Ausgabe 1. Januar 1873

 

Handschriftlich für die Aufgabe in "Recklinghausen",

Wertstempel mit  und Ausgabestempel Melle.

 

 

 

 

 

 

1. September 1871 bis Osnabrück

 

Dreizeiliger Textstempel

Oberhausen-Osnabrück

 

Handschriftlicher Aufgabevermerk "Recklinghausen"

auf Postkarte Wertstempel 5 Pfennige

Geschäftspostkarte 4.7.1879

über Tannenholzstempel und Schalhölzer

für die Verwendung im Bergbau

 

Dreizeiliger Textstempel

Coeln A Rhein Osnabrück 15 8 I (1. Tour) 1883

 

5 Pfennig Ganzsache der Reichspost Ausgabe 1880

an den Kaufmann und Fruchthändler Heinrich Bösing.

 

 

 

Leseabschrift:

Recklinghausen d. 15/ 83

Schicken Sie mir künftiger Woche wie Sie mir geschrieben hatten

Grand und Kleie, theilen Sie mir aber dieser Tage mit was der Preis davon ist?

Auf was der äußerste Preis von Weizen Mehl ist.

Achtungsvoll  Joh. Prein

 

 

 

 

Roter Bau der "Alte Bahnhof von 1870" mit Straßenbahngleisen

aus der Zeit der Ruhrbesetzung 1923 Süd-Nordrichtung .

Helles Gebäude Neu- und Erweiterungsbau, Linke Straßenseite noch unbebaut.

 

Rechts altes Bahnhofsgebäude mit Anbau ohne Straßenbahn

auf einer Bahnpostkarte aus 1933.

 

 

 

Oberleitungsarbeiten für die Straßenbahn um 1950

am Bahnhof Recklinghausen

 

 

 

Links der alte Bahnhof 1950. Die Altbauten wurden 1962 abgebrochen.

Unten das heutige Gebäude von 1963.

 

  

 

 

 

 

Die Eisenbahnbrücke am Kunibertitor

 

 

Vom Turm der 1875 errichteten Villa Franka/Schauburg blickt man über die Eisenbahnbrücke

auf das Kunibertitor und in die Kunibertistraße, rechts auf den Grafenwall mit dem Schwanenteich.

Der am unteren rechten Rand ersichtliche Dachgiebel gehörte zum städtischen Gaswerk.

Links am Bildrand erkennt man einen einfahrenden Zug und das Bahnhofshotel.

Die Karte ist weit vor 1910 zu datieren, da der Turm der Christuskirche im Bild nicht auftaucht.

Die rechte Karte ist aus 1912 mit der Christuskirche, jetzt mit Straßenbahngleisen und Gaswerk.

 

 

Nachfolger der Dreizeiler wurden die stumpf ovalen Ellipsen-Stempel.

Mit Verfügung Nr. 93 vom 21. September 1883 wurden die stumpfovalen Bahnpoststempel im Deutschen Reich eingeführt und lösten die dreizeiligen Textstempel ab. Bis zum Ende der 1880er Jahre kam es so zu einer einheitlichen Stempelform für die Bahnpost im gesamten Reichspostgebiet. Diese Stempel, zum Teil mit abgewandeltem Innenteil, blieben quasi bis zum Ende der Bahnpost in Gebrauch. Konkretisierung folgt.

 

 

Quellen

Ansichtskarten Eigenmaterial

Repros Archiv H.Poelking