Carl  Aschinger

 

1855 - 1909

 

 

 

Frankotyp-Absenderfreistempel 1934

Aschinger-Zentrale Saarbrücker Straße Berlin

 

 

Legenden ranken sich um die Kneipen der Herren Aschinger. Die Brüder Aschinger waren in den 1890er Jahren aus dem Württembergischen nach Berlin gekommen und ließen ihre Bierquellen eifrig sprudeln. Die Aschinger AG wurde 1892 von den Brüdern August und Carl Aschinger gegründet. Die AG war im Familiebesitz und hatte Betriebe nur in Berlin. Heute noch bekannt ist die Werbeidee von Aschinger, daß jedermann so viele Brötchen zur Erbsensuppe umsonst essen konnte, wie er mochte oder vertrug. Allerdings unter der Bedingung, daß er sich ein Glas Bier kaufte. Der Graphiker und Maler George Grosz bekannte einmal: "Aschinger war eine Wohltat für hungrige Künstler!". Aschinger war gerade das Gegenteil von Kempinski.

 

 

 

 

Zeitgenössische Ansichtskarten um 1900

 

 

Die Firma betrieb Gaststätten und Konditoreien und beteiligte sich an Hotels, wie dem "Fürstenhof" oder an dem Weinhaus "Rheingold". Vor allem aber stellte die Firma Aschinger die von ihr offerierten Speisen selbst her. Es gab eine Großschlachterei, eine Wurst- und Brotfabrik, in der täglich eine Million Brötchen hergestellt werden konnten. In der Blütezeit um 1926 hatte die Aschinger AG 50 Bierquellen und Konditoreien. Zeitweise war Aschinger Europas größter Gastronomiebetrieb. Alfred Döblin setzte der Firma Aschinger in seinem Roman "Berlin Alexanderplatz" ein literarisches Denkmal.

 

 

Berlin Spittelmarkt 1928 mit Aschinger Filiale

 

     

Leseabschrift: Lieber Andreas!

Aus Berlin sende ich Dir die herzlichsten Grüße.

Es ist hier sehr interessant und vom Vielen was hier zu sehen ist,

kann man in drei Wochen auch nur einen Teil sehen.

Der Omnibus- und Straßenbahnverkehr ist sehr rege, wie Du dir denken kannst.

Auf dem Spittelmarkt und der Tauentzienstraße die Straßenbahn dreigleisig,

auf dem Alexanderplatz sogar viergleisig.

Nochmals viel Grüße an alle von Deinem Friedrich

 

 

 

Bildauszug Vergrößerung

 

 

Ab 1933 arbeitete das Unternehmen  eng mit dem NS-Regime zusammen. Auf den Reichsparteitagen wurde z.B. Aschinger Bier ausgeschenkt. Im Zuge der Arisierung/Enteignung  des Kempinski-Konzerns übernahm Aschinger auch das Haus Vaterland am Potsdamer Platz von Kempinski. Im 2. Weltkrieg wurde nahezu alle Aschinger-Lokale zerstört. Da war der Neuanfang schwierig. Die im Ostteil gelegenen Filialen wurden nach der Enteignung der neu gegründeten Ostzonen HO/Handelsorganisation  zugeordnet. In West-Berlin eröffnete eine Nachfolgefirma der Aschinger AG 1949 wieder Gaststätten und Konditoreien. Die Firma wuchs zu einem mittelständischen Unternehmen, das dann mit Schließung der letzten Filiale am Bahnhof Zoo zum 1. Oktober 1976 aufhörte zu existieren. Nachfolgefirmen hatten keinen Bestand oder haben keinen Bezug zur ursprünglichen Firma Aschinger. Der Name ist Legende.

 

 

 

I