Max Aris

 

Manufakturwaren Suderwich

 

 

Firmenkarte mit 40 M der Freimarkenausgabe Posthorn einfarbig Januar 1923

für Postkarten im Fernverkehr. Die Marke wurde mit einem Einkreisstempel

"Suderwich Krs. Recklinghausen"  am 3.3.(19)25 entwertet. Suderwich gehörte noch

bis 1926 zum Amt Recklinghausen und trug die eigene Ortsbezeichnung im Poststempel.

 

 

Max Aris wurde 1873 geboren. Er war verheiratet und hatte eine Tochter und einen Sohn. Sein Geschäft, welches er 1909 gründete,  befand sich auf der Kirchstraße 8 in Suderwich. Er galt als angesehenes Mitglied der Suderwicher Bürgerschaft und nahm am 1. Weltkrieg teil. Aus Anlaß von Kommunion und Konfirmation spendete er stets ein Kleid oder einen Anzug für minderbemittelte Kinder. Seine Großzügigkeit, die in früheren Zeiten nicht gerade selbstverständlich war, geriet nach Machtübernahme durch die Nazis nur allzu schnell in Vergessenheit.

 

 

 

Im Zuge der Pogromnacht am 9. November 1938, auch euphemistisch als Kristallnacht benannt, wurde sein Geschäft vollständig zerstört. Die Waren wurden vor die Tür geworfen und gestohlen. Max Aris befand sich zu dieser Zeit in Berlin anläßlich einer Goldenen Hochzeit und zum Konfektions-Einkauf. Als Frau Aris und ihr Sohn zum Geschehen eilten, wurde ihr vom Ortsgruppenleiter eine Pistole an den Kopf gehalten mit dem Befehl: "Judenweib, geh nach oben!"

 

Max Aris mußte sein Geschäft "verkaufen". Es wurde arisiert. Die restliche Familie zog zur Tochter nach Berlin. 1939 ging es dann über Italien nach Schanghai. Vier Jahre lebten sie dort in erbärmlichen Verhältnissen. Letztlich fanden sie eine Bleibe in den USA und starteten dort einen Neubeginn. Frau Aris, schwer gezeichnet vom Pogrom, starb 1950 im Alter von nur 58 Jahre.

 

Die Peiniger der Familie sind namentlich bekannt. Aus welchen Gründen auch immer wurden deren Namen stets nur gekürzt in Briefen und Berichten wiedergegeben. Ob diese Leute, die gewissenlos jüdische Bürger peinigten, soviel Rücksicht verdient haben?

 

Rückseite (s. obige Abb. ) der Firmenkarte an die Firma Emil Gerson, Rosenstr. 15  in Berlin mit dem Hinweis: Bitte die Pakete an die Adresse: Haltern Westfalen Postlagernd zu senden. Gruß Max Aris.

 

Gelegentlich finden sich Spuren von geschundenen Bürger Recklinghausens. Die eigenhändig von Max Aris geschriebene Postkarte bleibt ein dauerhaftes Zeichen der Erinnerung.

 

 

 

 

 

      

Das Haus Kirchstraße 8 von 1909, in dem Max Aris sein Geschäft betrieb,

im Schatten der katholischen Kirche, wie es sich am 8. November 2007 zeigt.

Kein Hinweis, keine Gedenktafel erinnert an die Familie.

 Foto: Karl Heinz Mainczyk 2007