A L T S C H E R M B E C K 

 

Bergische Briefpost und Bahnpost Haltern - Wesel

 

 

 

Das ehemalige Altschermbeck liegt ungefähr 28 km westlich von Recklinghausen. Das Dorf bestand aus den Bauerschaften Rüste, Üfte und Emmelkamp und war die Grenze des Vestes zum Rheinland. Der Ort lag an der Napoleonischen Heerstraße Wesel - Münster. 1810 lebten in Altschermbeck 878, 1895 etwa 936 Einwohner und 1938 rund 1374 Einwohner. Altschermbeck gehörte bis zur kommunalen Neugliederung 1975 zur Stadt Dorsten und wurde danach nach Schermbeck eingegliedert.

 

Um das Jahr 739 werden die Höfe Schermbeck und Rüste („Scirenbecke et Ruscethe“) erstmals genannt. Die Pfarre soll der Sage nach von St. Ludger gegründet worden sein.  Die alte Kirche wurde 1840 bis auf den Turm, dessen unterer Teil romanisch ist, abgebrochen. Die Tuchindustrie war vormals hier zu Hause.  Bis in die 1870er Jahre wurden Eisensteine und Sand für die Hochöfen gegraben. Die guten Tonablagerungen ermöglichten Töpferei. Schermbeck war lange Zeit bekannt für die Dachziegelfabrikation.

 

 

 

 

Brief um 1809 von Schermbeck nach Münster, der Hauptstadt Westfalens, mit handschriftlichem schwarzen

Aufgabevermerk Schermbeck rechts oben. Auf der linken Seite der rote bergische Briefstempel des

Leitpostamtes Dorsten  sowie der ebenfalls rote P.P. Stempel/port payé für bezahltes Porto

und ein zusätzlicher handschriftlicher „franco“ Vermerk.

 

 

 

 Auf der Rückseite der postalische Gebührenvermerk 8 Décimen.

Absender waren laut Siegel Heinrich und Elisabeth Wülfing aus Schermbeck.

 

 

 

 

BA H N S T R E C K E

 

Haltern - Wesel

 

 

 

 

Für die am Ort ansässige Industrie war es sicherlich bedeutsam, daß Schermbeck bereits 1874 an die Bahn angeschlossen wurde. Dabei handelte es sich um eine Strecke von Venlo nach Haltern und von dort weiter nach Hamburg. Bauherr war die Köln - Mindener Eisenbahngesellschaft. Es sollte ein Teil der internationalen Streckenverbindung von Paris nach Hamburg sein. Die Strecke wurde ihrer Bedeutung nicht gerecht und war von Anfang an defizitär. Auch für den Nahverkehr spielte diese Strecke keine Rolle. Gingen die Gleise doch durch fast menschenleeres Land am nördlichen Ruhrgebiet vorbei. Lediglich für den später einsetzenden Bergbau hatte die Bahn gewissen Belang. 1936 wurden erste Teilstücke von Venlo nach Straelen stillgelegt. Im Zuge der Wirren des 2. Weltkriegs sprengten Pioniere die Strecke. Nach dem Krieg wurde der Betrieb erneut aufgenommen. Letztendlich ist die Personenstrecke Wesel - Haltern 1962 stillgelegt worden.  Einige Jahre später folgte der Güterverkehr. Die Gleise wurden abgebaut und die Strecke entwidmet. Am Fuß des Annabergs in Haltern erinnerte die Autofahrer noch lange Jahre die Eisenbahnbrücke mit ihrer einspurigen Querung an den erloschenen Eisenbahnbetrieb.

 

 

  

Bei der Bahnpost in Altschermbeck im Kriegsjahr 1940 aufgegebene Postkarte mit Wertzeicheneindruck

Reichspräsident Hindenburg, entwertet mit einem ovalen Streckenstempel "Haltern/Westf. - Wesel" (s. auch Ausschnitt).

 

 

Leseabschrift der Karte:

 

Alt-Schermbeck d. 3.4.40

 

Ich möchte Ihnen doch noch eben mitteilen daß ich doch noch ganz gerne wieder etwas Tabak hätte.

Denn Sie haben uns doch vor längerer Zeit geschrieben, daß Sie uns auch noch weiterhin mit

den Sachen liefern wollen. Die Menge kann so immer wie sonst.

 

Mit deutschem Gruß

H. Spickermann