Norddeutscher Postbezirk (N D P)

1868 - 1871

 

 

Historisches

 

Der Deutsche Krieg von 1866 und der Sieg Preußens und seiner Verbündeten über den Deutschen Bund unter der Führung von Österreich hatte die Auflösung des Ersten Deutschen Bundes zur Folge. Der Deutsche Bund bestand zwischen 1815 und 1866. Er wurde am 8. Juni 1815 auf dem Wiener Kongreß (1814–1815) ins Leben gerufen. Noch vor Kriegsende am 18. August 1866 hatte Preußen mit 17 deutschen Staaten und den Hansestädten Staatsverträge zur Gründung des Norddeutschen Bundes geschlossen. Die Verfassung des Norddeutschen Bundes tritt dann am 1. Januar 1867 in Kraft.

 

1868 werden in Preußen einheitliche Maß- und Gewichtsordnungen eingeführt. Im gleichen Jahr gründet der Schneidergeselle Joseph Bönsch in Dortmund eine Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. Am 11. Juli 1869 beginnen die Teufarbeiten für den Schacht Clerget (Zeche Recklinghausen I). Der Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet fördert in diesem Jahr 11,25 Mio. Tonnen Kohle.  Am 1. Januar 1870 wird der erste Zug der Stecke Wanne -  Recklinghausen - Haltern bei seinem Halt in Recklinghausen mit 24 Böllerschüssen begrüßt. Aus dem Deutsch-Französischem Krieg zurückkehrende Soldaten schleppen 1871 die Pocken ins Ruhrgebiet ein.

 

Postalisches

 

Die Gesetze über das Postwesen des Norddeutschen Bundes vom 2. November 1867 treten am 1. Januar 1868 in Kraft. Die preußischen Briefmarken verloren am 31. Dezember 1867 ihre Postgültigkeit. Das hatte zur Folge, daß es neue Briefmarken gab; immer noch in zwei Währungen. Für den Nordteil des Bundes in Groschen- und für den Südteil des Bundes in Guldenwährung. Für die Stadtpost in Hamburg gab es eine 1/2 Schillingmarke und für das Okkupationsgebiet Elsaß-Lothringen Marken in Centimes-Währung. Brauchbare Poststempel früherer Postverwaltungen wurden weiterverwendet oder durch Aptierung weiterverwendbar gemacht.

 

Die Post des Norddeutschen Bundes ging am 4. Mai 1871 in die Reichspost auf. Die Briefmarken des Norddeutschen Bundes wurden noch bis zum 31. Dezember 1871 weiterverwendet. Das endete am 1. Januar 1872 mit der Herausgabe der Brustschildmarken durch Post des Deutschen Kaiserreichs.

 

 

 

 

Postalische Belege ab Recklinghausen

 

 

 

Brief an den Oberrentmeister Wildt in Lembeck

 

Frankiert ist der Brief mit einer 1 Groschen-Marke durchstochen,

Ausgabe vom 1. Januar 1868, Portostufe für Inlandsbriefe bis 1 Loth/15 Gramm.

Entwertet wurde die Marke mit dem preußischen Zweikreisstempel mit Jahreszahl,

der während des Norddeutschen Bundes weiterverwendet wurde.

 

Leseabschrift wortgetreu:

 

Transport 104 Thaler

Schlußzinsen vom 15. l. (letzten) Monat 15 Slgr. (Silbergroschen),

zusammen 104 Thlr 15 Slgr.

worüber ich mir gelegentlich die Quittung

ausbitte. Wenn ich nicht irre, ist der-

mals bei Aufnahme der 1000 Thaler von der hiesigen Kirchengemeinde ein Schulddoku-

ment darüber eingesand, und es würden

Sie mir selbes jetzt wieder zurücksenden können.

 Achtungsvoll W

 

Lembeck 23t. Juni 1868

 

 

 

Auslagen/Nachnahmebrief/Postvorschuß

 

Im Gegensatz zur heutigen Nachnahme schoß die Post beim Auslagen/Postvorschußverfahren den einzuziehenden Betrag vor. bzw. sie legte den Betrag aus. Darum der Stempel "Auslagen".

Das alles in der Hoffung, den Betrag auch vom Adressaten wieder zu bekommen.

Auslagen/Nachnahmebrief/Postvorschuß mit einem Wurststempel in violett "Auslagen"

über 8 Silbergroschen Recklinghausen - Sickingmühle an den Viehzüchter Wilhelm Koch. Es handelte sich um eine portopflichtige Justizsache, die der Justizangestellte "Busch" per Franchise gegenzeichnete. Wegen Mangel an Geld wurde der Betrag nicht eingelöst.

Blaue Austaxierung über die Rückforderung des vorausgezahlten Betrags.

 

Der Brief wurde am 18.9.1868 aufgegeben

und kam am 19.9.1868 wieder zurück

 

 

 

Briefhülle an den Rechtsanwalt Laumann

in Lüdinghausen

Frankiert ist der Brief mit einer blauen 2 Gr Freimarke für Inlandsbriefe

von 1 Loth/15 g bis 250g - Ausgabe 1. Januar 1868. Entwertet und zusätzlich beigesetzt

wurde der alte preußische Doppelkreisstempel mit Jahresangabe und Trennstrich,

die sogenannte N-Type für die Aufgabe am Nachmittag.

 

 

 

Recklinghausen - Breslau

 

Frankiert ist der Brief mit einer 1 Groschen-Marke durchstochen,

Ausgabe vom 1. Januar 1868, Portostufe für Inlandsbriefe bis 1 Loth/15 Gramm.

Entwertet wurde die Marke mit dem preußischen Zweikreisstempel mit Jahreszahl,

der während des Norddeutschen Bundes weiterverwendet wurde.

 

Brief an B. Suppes, Schmiede Brücke, Breslau. Näheres zum Adressaten z.Zt. nicht bekannt.

Absender war der Agent (Handelsvertreter) Josef Lobeck, Romstraße 1.

 

 

Leseabschrift:

 

Sehr geehrter Herr!

Gleich nach Empfang Ihres Geehrten (Schreibens) vom 13. November 1868

habe ich dem Herrn Hermann Eick von dem Inhalte Kenntnis gegeben,

bis jetzt aber keine weiteren Mittheilungen bekommen.

 

ergebenst

Lobeck

Reckl. 14. Dezemb. 1868

 

 

 

 

Preußische Freimarke für den Innendienst wurden noch bis zum

28. Februar 1869 im Norddeutschen Postgebiet weiterverwendet

 

Brieffragment, entwertet mit dem weiterverwendeten

preußischen Doppelkreistempel, V-Type für die Aufgabe am Vormittag vom 15.1.69,

rund einen Monat vor Außerdienstsetzung der preußischen Innendienstmarken.

 

 

 

Vorladung des Bürgermeisters von Bochum

 

Gezähnte 1 Gr Briefmarke, Ausgabe ab Januar 1868 für den nördlichen Bezirk,

Portostufe für Inlandsbriefe bis 1 Loth/15g. Entwertet und zusätzlich beigesetzt

wurde die Marke mit einen weiterverwendeten preußischen Doppelkreisstempel.

 

 

 

 

 

Wortgetreue Leseabschrift:

 

Herrn Bürgermeister Greve Bochum

Recklinghausen 19. März 1869

 

In der Sache gegen Mittelviefhaus beehre ich mich

Ihnen mitzutheilen, daß der betreffende Eid

nach Beschluß des Gerichts trotz der Unerheblichkeit

derselben von Ihnen erhoben werden soll.

Sie werden dazu durch das dortige Gericht

eine Vorladung erhalten und bitte ich, den

Termin nicht zu versäumen.

Auf Ansetzung der Termine in kurzer Reihen-

folge habe ich wiederholt angetragen.

 

Hochachtungsvoll

ergebenst

Dittrich

 

 

 

 

 

Mit Wirkung vom 1. Januar 1870 wurden in den Bundesstaaten die meisten Portofreiheiten aufgehoben.

Die bis dahin Privilegierten konnten sich einem Aversionierungs- oder Contierungsverfahren anschließen,

oder diese neuen Dienstmarken verkleben, was aber nicht obligatorisch/bindend war.

 

 

  

Briefstück mit 1 Gr Ziffer im Achteck, Ausgabe vom 1. Januar 1870,

entwertet mit einem Doppelkreisstempel/V-Type vom 4.7.71.

 

 

 

Quellen:

Alle Angaben werden kurz und knapp wiedergegeben.

Die politischen, insbesondere die postalischen Begebenheiten,

lassen sich ausführlich in der einschlägigen Literatur

und im Michel-Katalog nachlesen.

 

Chronik des Ruhrgebiets Harenberg

Chronik des 19. Jahrhunderts - bei Chronik Verlag

Michel Deutschland und Michel Deutschland Spezial

Häuserbuch Innenstadt Recklinghausen von Edmund Schröder

Belege eig. Slg.